27.04.2002 18:53:00 MEZ
Der unkenntliche Star
"Wer immer nur sich selbst beobachtet, guckt einfach in die falsche Richtung" - Die Porträtserie "GUESS WHO" von Peggy Sirota ist erstmals in Österreich zu sehen

"Unsere ganze Gesellschaft spielt doch verrückt. Ich hoffe, das geht vorbei. Es gab immerhin mal eine Generation, die Bob Dylan verehrte, weil er ein Poet war." (Peggy Sirota)

zur Ansichtssache: GUESS WHO

Vor fünfzehn Jahren fing die Amerikanerin Peggy Sirota (geb. 1956) als Autodidaktin zu fotografieren an. Heute zählt sie zu Amerikas führenden Celebrity-FotografInnen und zu den Top Ten der amerikanischen Werbefotografie. Oft tragen die Titelbilder für "Time Magazine" und "Vanity Fair" ihre Handschrift, ihre Kundenliste enthält an die 150 Firmen und Agenturen - von Adidas bis Warner Brothers.
Auch wenn die 44-Jährige beruflich der Glamourwelt verbunden ist, so hat sie sich dennoch/gerade deshalb auch bewusst von dieser ferngehalten. "Ich will mich nicht einnehmen lassen von dieser Prominentenbesessenheit." Sie habe "berühmte Leute getroffen, die sich tatsächlich für etwas Besseres halten".
So lebt die Starfotografin (die diese Bezeichnung nicht für sich gelten lassen will) lieber mit ihrem Mann, zwei Hunden, zwei Ziegen, Katze und Ente auf einer Ranch in Süd-Kalifornien – wo sie die "echten Momente" erlebt, niemand nach dem Showwert fragt.

In ihrer Fotoarbeit befreit Sirota die perfekten, glamourösen Stars: Sie steckt Janet Jackson in einen Müllsack, lässt Mia Farrow auf einer Wiese einen Riesen-Teddy umarmen, Brad Pitt im Wasser versinken. Durch diese verspielten Inszenierungen zerstört Sirota das Star-Image. Der unkenntliche – weil unverehrte Star, lässt plötzlich Seiten der Persönlichkeit erkennen und erlebt Momente der Selbstbefreiung; denn: "Wer immer nur sich selbst beobachtet, guckt einfach in die falsche Richtung", so das Motto der Fotografin, welches sie von ihrem russischen Großvater übernommen hat.
Ab Dienstag ist nun erstmals Sirotas' Arbeit auch in Österreich zu sehen. Die Wiener Galerie Westlicht präsentiert die Benefiz-Aktion "GUESS WHO" zugunsten des "Aids Project Los Angeles", wofür Peggy Sirota über 170 Stars, MusikerInnen und SportlerInnen porträtierte. Ein amüsantes Ratespiel, mit traurigem Auslöser – zwei gute Freunde der Fotografin sind an Aids gestorben. Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf der Bücher und der Bilder kommt dem Aids Project zugute. (pd)




Quelle: © derStandard.at