04.09.2002 13:56
Topfklopfen gegen globalen Kapitalismus
Kunsthalle Wien ruft zur Protestaktion in Wien auf - Zeitgleich wird in
London, Frankfurt, Genf und New York auf Wunsch Santiago Serras geklopft
Wien - Die Kunsthalle Wien ruft die Wiener Bevölkerung auf, am
Samstag (7.9.) um 17 Uhr die Stadt an möglichst vielen Stellen mit einer
Kakophonie des Klopfens auf Töpfe, Wellbleche etc. zu beschallen. "The
displacement of a Cacerolada" (Verlagerung einer Topfdemonstration) nennt sich
laut einer Aussendung der Kunsthalle die zeitgleich in London, Frankfurt, Genf
und New York veranstaltete Aktion, mit der der spanische Künstler Santiago Serra
gegen die Krise in Argentinien und den globalen Kapitalismus protestieren
will.
Argentinische Demonstrationsgeräusche
Das Schlagen
gegen Kochtöpfe und andere Kochutensilien (Cacerolada) wurde in Argentinien zum
Symbol für den Widerstand gegen den global agierenden Kapitalismus und den
wirtschaftlichen Zusammenbruchs des Landes. Nun will Santiago Sierra diese
Kakophonie des Klopfens in die G8-Staaten transportieren. Zu diesem Zweck ist in
der Kunsthalle eine kostenlose CD mit den argentinischen
Demonstrationsgeräuschen erhältlich, die Serra im März 2002 aufgenommen
hat.
Gesellschaftliche Dynamiken offen legen
Die in
Kooperation mit der South London Gallery und Resonance 104.4 FM, London, dem
Genfer Centre d'Art Contemporain, Portikus in Frankfurt am Main und Printed
Matter in New York veranstaltete Aktion ist zugleich ein Vorgeschmack auf die
Ausstellung, die die Kunsthalle Santiago Sierra ab 2. Oktober (bis 8. Dezember)
widmet. Der 1966 in Spanien geborene, in Mexiko lebende Künstler steht in der
Tradition von Arte Povera, den skulpturalen Erweiterungen durch Minimal Art und
Konzeptkunst und der Performances der 60er und 70er Jahre. Er initiiert
Aktionen, die politische Entwicklungen und gesellschaftliche Dynamiken offen
legen.
Ausbeutung und Missstände thematisieren
So brachte
er etwa mit einem Schwertransporter auf einer viel befahrenen Kreuzung den
Verkehrsfluss in Mexiko Stadt zum Erliegen oder lässt unterbezahlte Arbeiter für
seine Kunst offensichtlich sinnlose Tätigkeiten in Museen und Galerien
ausführen, um Ausbeutung und Missstände postkolonialer Arbeitsverhältnisse zu
thematisieren. Für die Kunsthalle Wien wird Santiago Sierra im Oktober 30 Wiener
verschiedener Ethnien nach ihren Hautfarben sortieren, so dass ein Farbverlauf
der Hautpigmentierung von hell nach dunkel entsteht. Das Geschehen wird nur
Schwarz-Weiß und als Video-Projektion bzw. als Foto präsentiert werden. (APA)