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9.9.2002
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Der Betrachter macht das Bild
"Musée
du Point de Vue" lud zum Sehen ein
Bregenz
(VN-hkv) "Le point de vue" heißt übersetzt "der
Aussichtspunkt", im übertragenen Sinn auch Standpunkt. Darum geht es
Jean-Daniel Berclaz, dem Direktor des "Musée du Point de Vue". "Das
was ich gesehen habe" ist ein wichtiger Satz in seinem Konzept. Wer
darauf neugierig wurde, ließ sich vom Magazin 4 zu einer Abendfahrt
auf dem Bodensee einladen.
Das Schiff "Stadt Bregenz", umbenannt zu "Musée du Point
de Vue", empfängt die Passagiere mit einem Lied aus dem
Lautsprecher, das die Teilnehmer der Schifffahrt als Endlosschleife
die ganze Fahrt über begleiten wird: Ein einstmaliger Hit der Gruppe
"Trio", der vom Sehen und Genießen erzählt. Anstatt einer Vernissage
- Rede lädt der Direktor des "Musée du Point de Vue" zum Genießen
der Rundfahrt und des von ihm zubereiteten Essens ein. Keine
Erklärungen - nur das Ermöglichen eines Rendezvous mit der Natur,
der Landschaft entlang des Bodensees.
Indem keine weiteren "Anleitungen" folgen, wird eine Offenheit
bei den Teilnehmern erhalten. Und dies ist bereits Teil des Konzepts
von Berclaz. Die Passagiere sollen selbst entscheiden, was sich bei
ihnen auf dieser Schifffahrt abspielt, was für Bilder sich beim
Betrachten der Landschaft bei ihnen auftun. Erst der Betrachter
macht das Bild, erst durch ihn wird ein Werk, eine Landschaft, eine
Umgebung zu einem Kunstwerk. Demzufolge existiert Berclaz' Museum
auch nur für die Dauer der Fahrt. Zweiter Teil des Konzepts ist das
Aufzeichnen der Fahrt per Video und Fotografie. Die Menschen, die an
dieser Fahrt teilgenommen haben, werden selbst zum Gegenstand von
Betrachtung bei einer nachfolgenden Präsentation in einem Kunsthaus
oder im öffentlichen Raum.
Bewusstes Sehen
Im Mittelpunkt von Berclaz' Konzeptkunst steht das
bewusste Sehen. Mitte der 80er Jahre begann der in Marseille lebende
Direktor des "Musée du Point de Vue" seinen Museumsbesuchern
Möglichkeiten zum Sehen bereitzustellen. Letztes Jahr lud er auf die
Hafelekar - Bergstation in Innsbruck, ein anderes Mal baute er eine
schwimmende Kabine in Zimmergröße, die er auf einem Schweizer See
als Hotelzimmer vermietet. Je nach gewünschtem Verwendungszweck kann
der Mieter durch das Loslösen von Land andere Sichtweisen entdecken.
Und wie lautete das Resumée der Besucher des zwölften "Musée du
Point de Vue" in Bregenz? "Einfach toll" befand eine Runde an einem
Tisch.
Damit haben sie eigentlich genau das formuliert, was der
Museumsdirektor Berclaz im Sinn hatte: Durch Klarheit und
Einfachheit Schönheit empfinden.
Die Landschaft wird zum Bild. |
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