12.09.2002 19:16
Gegen "Durchpeitschen" von
Urheberrechtsnovelle
Grüne und Kultur-Verbände
protestieren gegen Pläne des Justizministers
Wien - Die Grünen, die IG Autorinnen Autoren, die IG
Bildende Kunst und der Dachverband der österreichischen Filmschaffenden wenden
sich in Aussendungen gegen die geplante Novellierung des Urheberrechtsgesetzes,
die Justizminister Dieter Böhmdorfer (F) und die ÖVP-Justizsprecherin Maria
Fekter noch vor den anstehenden Neuwahlen durch den Nationalrat bringen wollen.
Die Urheberrechte von Schauspielern und den Kreativen der Filmwirtschaft
würden "darin nicht berücksichtigt", so die EU-Abgeordnete der Grünen, Mercedes
Echerer. Es dürfe "kein Durchpeitschen auf dem Rücken der Künstler" geben,
meinte Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren.
Fragliche
Begutachtung
Die Novelle des Urheberrechtsgesetzes basiert auf einer
im Vorjahr verabschiedeten EU-Richtlinie. Deren Zielsetzung ist es,
"Schutzmaßnahmen" für Werke im digitalen Zeitalter angesichts neuer
Verbreitungsmöglichkeiten - etwa durch das Scannen und Mailen von Dokumenten und
im Internet - zu schaffen. Für Fekter kommt nur die Umsetzung der EU-Vorgaben in
Frage, nicht aber andere umstrittene Teile der Vorlage. Daher werde derzeit im
Justizministerium an einer "nur darauf reduzierten Urheberrechtsreformversion
gebastelt", so Ruiss, während gleichzeitig bis zum 20. 9. eine
Begutachtungsfrist für den ursprünglichen Ministerialentwurf laufe. Der
Beschluss der neuen Version soll an diesem oder dem Vortag (19. 9.) fallen, so
die IG Autorinnen Autoren.
Der Dachverband der österreichischen
Filmschaffenden wendet sich "entschieden" dagegen, dass eine Gesetzesfassung,
"die keiner der Betroffenen kennt, verabschiedet werden soll und sämtliche
Anregungen und Bedenken im noch laufenden Begutachtungsverfahren
unberücksichtigt bleiben".
"Hals-über-Kopf-Aktion"
Die IG
Autorinnen Autoren ruft die "Parlamentarier aller Fraktionen dazu auf, keinem
die Urheberrechtsreform 2002 in ihrer zur Begutachtung ausgesandten Entwurfsform
unterlaufenden Antrag zuzustimmen" und will im Verein mit allen anderen
Verbänden "das Recht einfordern", das durch die Einladung zur Begutachtung der
Novelle an sie selbst und die anderen Verbände durch das Justizministerium
ausgesprochen worden sei. Die IG Bildende Kunst "verwehrt sich gegen eine
derartige Hals-über-Kopf-Aktion", in der das Justizministerium die eingeräumte
Begutachtungsfrist als "reine Alibiaktion entlarvt".
Dass die Umsetzung
dieser EU-Novelle verpflichtend und termingebunden (mit Jahresende) ist, ist für
Echerer "kein Argument, da unter den gegeben Umständen, nämlich der
bevorstehenden Auflösung des Nationalrates, der Umsetzungstermin ausgesetzt"
würde. Schon im ursprünglichen Entwurf orteten die Grünen "schwere Mängel".
Echerer appellierte daher an die Bundesregierung, die Umsetzung der Richtlinie
aufzuschieben und der neuen Bundesregierung zu überlassen. (APA)