25.10.2002 14:27
Ein farbiger Reigen
Franz Hubmann
fotografierte "österreichische (Kunst)landschaften"
Über die Farbfotografie sagte Franz Hubmann, dass sie die Dinge
"verniedliche, verharmlose". Diese Zurückgenommenheit der Farbe liegt in
Hubmanns neuem Bildband ("Wie ich es sehe. Farbphotographien. EURO 36,-/130
Seiten. Verlag Christian Brandstätter) wie ein "Melancholie-Filter" über den
Fotos.
Träumerisch "leergeräumt" sind die Landschaften, in denen sich die
wenigen Menschen erst ihren Platz erkämpfen müssen. Neben seiner Ausbildung an
der "graphischen Lehr- und Versuchsanstalt", die sich in vielen
"architektonischen" Aufnahmen niederschlägt, hat auch seine bild-journalistische
Zeit (Aufbau des Bildarchivs der Österreichischen Verkehrswerbung) seine Spuren
hinterlassen.
Als Kontrast stehen den "österreichischen
(Kunst)landschaften" und Naturaufnahmen die Künstlerporträts gegenüber, denen
man Hubmanns Vertrautheit mit den Personen anmerkt. Er ist als Fotograf Teil des
Kunst-Geschehens und Vertrauter, ob bei den fantastischen Realisten, ob bei
Pablo Picasso, Marc Chagall, Max Weiler oder Miles Davis. "Wie ich es sehe" -
Hubmanns fotografische Erinnerungen sind auch ein "farbiger" Reigen seiner
vielfältigen Lebensthemen, bei denen jedes Bild im Dialog mit allen anderen
steht. (DER STANDARD, Printausgabe, 25./26./27.10.2002)