07.11.2002 18:44
Maximilian Melcher 1922-2002
Der
Professor an der Wiener Akademie prägte mehrere Generationen österreichischer
Maler und Grafiker
Mit Maximilian Melcher hat Österreich einen großen Lehrer
verloren. Seine Arbeit als Professor an der Akademie der bildenden Künste hat
mehrere Generationen österreichischer Maler und Grafiker geprägt.
Wien - Das Prinzip "Meisterklasse" an Kunstakademien produziert oft
genug "Meisterschüler". Und die bleiben dann ihr Leben lang dem Geist des gnädig
lehrenden Genies verhaftet. Als Apostel illustrieren die derart Getäuschten dann
Lebenswerke lang fremdes Bewusstsein.
Und dann gibt es da noch die
anderen Eitlen, die manischen Kampfpädagogen, die ihren Schülern so lange flache
Kopien ihrer selbst abverlangen, bis die revoltieren. Den wenigen, die das auch
tun, wird dann der Segen erteilt, der Freibrief zum "Künstler". Den an der
Brachialmethode Zerbrochenen, der Mehrheit, so sagt der Meister dann, hätte er
Gutes getan, die hätten im heftigen Gestöber der Kunstwelt ohnehin nicht
durchgeblickt, die wären untergegangen. Schon beim Posing.
Und dann gibt
es noch ganz Seltene. Die wagen es, Meister zu sein und doch nicht
dauer-erigiert. Die sind - unfassbar - wenig an sich selbst interessiert. Und
sagen dann eben so Sachen wie: "Je weniger ich für mich gearbeitet habe, umso
besser sind die Studenten geworden. Das Um und Auf in diesem Geschäft ist:
Derjenige, der rauskommt, muss besser sein als ich, und die guten Leute sind
besser geworden." Maximilian Melcher war so einer. Und von dem stammt auch der
zitierte Satz. Und es sei - in seinem Sinne eher nebenbei - angemerkt: Er war
trotzdem ein guter Künstler. Der hat Generationen junger Österreicher Mut
gemacht, ohne sich Sogen zu machen, dass er damit ja wohl die eigene Konkurrenz
füttert.
Acht Jahre lang hat er das sogar als Oberster vom Schillerplatz
getan, als Rektor. Und damit so einiges angerichtet: Siegfried Anzinger, Tone
Fink, Wolfgang Herzig, Edelbert Köb, Kurt Kocherscheidt, Richard Kriesche, Peter
Pongratz, Meina Schellander, Hubert Schmalix, Turi Werkner, Robert Zeppl-Sperl
und Gunter Damisch. Letzterer hat 1992 die Klasse seines Lehrers übernommen.
Maximilian Melcher starb am 31. Oktober. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2002)