06.12.2002 22:39
Surfen in der Innenstadt von Graz
Was passiert mit der "Murinsel" nach "2003"
Für die "Murinsel", einem Flaggschiff der
Kulturhauptstadt Graz 2003, gibt es bisher kein Nachnutzungskonzept. Ein erster
Vorschlage ist, das Designer-Eiland für Surfer zu adaptieren
Graz - Noch in den 50er-Jahren gingen Grazer im Sommer in die Mur baden.
Doch es folgten über 40 Jahre, in denen der Fluss, der Graz halbiert, wegen
seiner miesen Wasserqualität völlig ignoriert wurde. Seit wenigen Jahren gilt
das Wasser der Mur nun wieder als trinkbar, und der Fluss wird als vielseitiger
Lebensraum wiederentdeckt: Zuerst kamen die Fische zurück, bald Wassersportler
jeder Art - im vergangen Mai fand sogar eine Kajak-WM im Stadtzentrum statt -
dann die Flaneure auf der neu gestaltenten "Murpromenade". Als vorläufiger
Höhepunkt wird dieser Tage ein Designer-Eiland im Fluss zusammengebaut, dass der
New Yorker Architekt Vito Acconci entworfen hat.
Letzteres ruft nun die
wahlkämpfende rote Jugend auf den Plan. Die 21-jährige Adeleh Al-Tikriti, die
auf dem Listenplatz zehn für die Grazer SP in den Gemeinderatswahlkampf zieht,
will die Acconci-Insel nach dem Kulturhauptstadtjahr 2003 in ein "Jugend-und
Funsportzentrum" umfunktionieren.
Die "Murinsel" war bisher nicht
unumstritten. Während selbst Kritiker zugaben, dass die fünf Millionen Euro
teure aufgeklappte Muschel schön oder zumindest interessant aussehe, machten
sich selbst Befürworter Gedanken ob der Nachhaltigkeit des ehrgeizigen
Projektes. Bleibt die Murinsel bloß ein Amphitheater, in dem Zuschauer vom
beständigen Flussrauschen beschallt werden, mit einer schwimmenden Filiale der
Kaffeehauskette "Sorger", scheint ihre Zukunft für viele nicht gesichert und ihr
Preis nicht gerechtfertigt.
Doch ein offizielles Nachnutzungskonzept ließ
bisher auf sich warten. Eine Kerbe, in die kurz vor den Grazer
Gemeinderatswahlen im Jänner natürlich noch jemand schlagen musste. Gemeinsam
mit "Lemur", einem Projekt zur Förderung der Jugend- und Funsportkultur in Graz,
präsentierte Al-Tikriti die Initiative "Acconci goes Lemur".
Web- und
Wellensurfer
Gemeinsam mit "Murbreak", einem Verein zur Förderung
der Surfkultur in Graz, will man die schicke Insel zum Jugendzentrum mit gratis
Internetcafé, Wassersportangeboten und Auftritts- und Ausstellungsflächen für
junge Künstler machen. Al-Tikriti ist zuversichtlich: "In nur einer Woche haben
wir schon 500 Unterschriften für das Jugendzentrum gesammelt." Diese wurden am
Freitag dem Spitzenkandidaten der SP Graz, Stadtrat Walter Ferk,
übergeben.
"Murbreak" will indes Rafting, Surfschnupperstunden und
Bootsausflüge in den Murauen sowie eine Internationale Surf-Competition
organisieren. Die Wassersportler haben auch ein Herz für Tiere: Neben der
Sanierung der künstliche Walze für Surfer unter der Hauptbrücke fordern sie eine
verbesserte Fischtreppe, die das Laichen der Fische ermöglichen soll. (DER
STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2002)