17.01.2003 15:33
Metaphern zum Anschauen
Ausstellung "Serious Play / Metaphorical Gestures" im Österreichischen
Kulturforum New York
New York - Das Österreichische Kulturforum New York hat
am Donnerstag in Raimund Abrahams Bau seine erste großflächige thematische
Ausstellung eröffnet. Unter dem Titel "Serious Play / Metaphorical Gestures" hat
Kurator Hubert Klocker Werke elf internationaler Künstler zum Themenbereich
"Metapher" in den Räumlichkeiten des Forums ausgestellt.
"Serious Play /
Metaphorical Gestures" ist sowohl die Eröffnung des Frühlingsprogramm "Memory
and Progress" des Forums, als auch die Premiere der Nutzung aller vorhanden
Räume. "Mir ging es in der Ausstellung in der Hauptsache um Apokalypse", betont
Hubert Klocker. "Ich wollte die Reaktionen von Künstlern auf die Krisen und
Kriege unserer Zeit zeigen. Da war es mir wichtig, Künstler wie die aus dem
Libanon stammende Mona Hatoum oder die serbische Milica Tomic einzuladen."
Klocker hat die Werke dieser beiden Künstler an interessanten Orten im Forum
platziert.
Arbeiten von Hatoum
Hatoums Video "So Much I
Want to Say" (1983) empfängt den Besucher auf einem Bildschirm gleich in der
Eingangshalle. Tomic' Videoprojektionen werden im Theaterraum gezeigt, wo sich
Zuschauer im abgedunkeltem Raum auf zwei Leinwände konzentrieren
können.
Ein zweites Werk von Hatoum, eine Rauminstallation aus Flaschen,
hat Klocker unter den dunklen, fast sarkastischen Werken Ellen Berkenblits im
oberen Teil der Galerie positioniert. "Das Österreichische Kulturforum New York
ist ja als Ausstellungsort eine Herausforderung," stellt Klocker
fest.
Digitalisierter Bosch
Klocker versteht seine Aufgabe
als Kurator nicht nur darin, Dialoge zu schaffen, sondern auch zu Kunstwerken zu
animieren. Auf seine Anregung hin hat der in Österreich geborene Hans Weigand
das "Weltgerichtstryptichon" von Hieronymus Bosch neu interpretiert und das
originale Gemälde digitalisiert.
Weigands neue, übergroße Darstellung
des jüngsten Tags fällt dem Besucher bereits beim Betreten des Forums ins Auge,
da es die gesamte hintere Wand der zwei Stockwerke der Galerie bedeckt und damit
ideal den von Abraham geschaffenen Lichtraum benützt. Die digitale Version von
Hieronymus Bosch' Werk kann man auf einem Bildschirm in Teilabschnitten abrufen
und mittels einer Maus über das gesamte digitale Gemälde streichen. Bestimmte
Stellen rufen auf Mausklick Filme ab, die dann Teile des Kunstwerks
bedecken.
Weitere ÖsterreicherInnen
Von den
österreichischen Künstlern sind noch Valie Export, Otto Mühl, Rudolf
Schwarzkogler und Elfie Semotan vertreten. Das Thema der Ausstellung - die
Metapher - ist vielleicht am besten von Carolee Schneemann getroffen, die in dem
Video "Interior Scroll" nackte Frauen zeigt, die Textrollen aus ihrer Vagina
entfernen.
Für Klocker ist das Abrahams Gebäude Metapher an sich, da sich
schon in der Fassade verschieden Dinge wie Masken oder Symbole herauslesen
lassen. Die verschiedenen Ebenen im Haus helfen trotz ihrer Komplexität daher
auch, das Thema der Ausstellung zu unterstreichen, die weiters Andrej
Monastyrskij und Rachel Whitereads Entwürfe und Modelle zum Holocaust Mahnmal in
Wien zeigt. Letzteres ist für Klocker eines der zentralen Punkte der Schau, da
diese Arbeit Whitereads noch nie in dieser Art außerhalb von Wien gezeigt
wurde.(APA)