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20.01.2003 21:56

Die Welt als Spiegel
Helen Chadwick in der Galerie Eugen Lendl in Graz





Zehn Jahre sind vergangen seit der ersten, gleich fulminant erfolgreichen Ausstellung von Werken der britischen Künstlerin Helen Chadwick in der Galerie Eugen Lendl. Die nutzt das Jubiläum, das Grazer Jubeljahr adäquat zu schmücken, und bietet einen kleinen Schnitt durch das Oeuvre der 1996 früh Verstorbenen. Nichts für streng Sensible zeigt sich hier, wo Öffnungen wie garstige Löcher schlammfarben, wie Schlünde orchideengleich oder wie Bohrungen der Schädeldecke anmutfrei anmuten. Das Unappetitliche steckt im Gewand des Fetischs, bereit, dem Pervertierten, sakral gestylt, Erhöhung zu erweisen, in abstrakte Formen das Gedärm und kriechendes Gewürm zu bringen und dem Skandal dabei ganz nahe auf der Spur zu bleiben. Boschgemäße Tunnelblicke evozieren Endzeit, mit Licht dahinter, so viel Eschatologie wird immer sein.

Mikrofotos keimender Zellverbände gehören zum Letzten, was Helen Chadwick, eine der profiliertesten Künstlerinnen der britischen Insel, schuf: Monstranzenhaft in Plexiglas wird noch das Winzigste Vision - und bleibt Geheimnisträger weiterhin. (trag/DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2003)


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