| Salzburger Nachrichten am 14. Februar 2003 - Bereich: kultur
Für die Kunst bleibt wenig
Museen in Wien in der Vollrechtsfähigkeit: Außer beim Kunsthistorischen Museum bleibt für neue Kunst-Ankäufe nur noch ein geringer Spielraum.
GÜNTHER FROHMANN LASZLO MOLNAR
WIEN (SN). Ähnlich den Bundestheatern und der Österreichischen Nationalbibliothek sind auch die Bundesmuseen seit geraumer Zeit vollrechtsfähige "wissenschaftliche Anstalten des öffentlichen Rechts". Dass heißt, sie sind nicht mehr dem Haushalt einer Behörde zugeordnet, sondern erhalten einen festen Etat, mit dem sie auf eigene Verantwortung haushalten können, aber auch die gesamten Kosten selber tragen müssen. Anders als zu Zeiten der Kameralistik können die Bundesmuseen Erträge behalten und für selbst definierte Zwecke verwenden. Neu eingestellte Mitarbeiter erhalten nicht mehr Beamtenstatus, sondern sind Angestellte nach dem ASVG (Allgemeines Sozialversicherungs-Gesetz). Der Zuschuss des Bundes heißt nun auch hier "Basisabgeltung" und ist auch so gemeint: er soll weitgehend die Betriebs- und Personalkosten decken; die Einrichtungen dürfen (und müssen das auch) unternehmerische Phantasie entwickeln, um für ihre Kunden, die Besucher, attraktiv zu bleiben. Es tun sich neue Spielräume, aber auch neue Probleme auf. Bei den Museen lautet die Frage konkret: Haben sie durch die neuen Freiheiten nun auch mehr Mittel und Möglichkeiten für Ankäufe zur Verfügung? Das Kunsthistorische Museum wurde im Sinne des Bundesmuseengesetzes 1998 zum 1. Jänner 1999 als erstes Bundesmuseum ausgegliedert und in die Eigenverantwortung entlassen. Diesem Museum erlaubt das auch bei seiner Ankaufspolitik eine wesentlich grö-ßere Flexibilität, wie Generaldirektor Wilfried Seipel im SN-Gespräch betont. Er könne als Alleinverantwortlicher auf Angebote auf dem Markt spontan reagieren und innerhalb seines budgetären Rahmens frei disponieren. Seit Erlangung der Rechtsfä-higkeit 1999 erhöhte sich der Wert der Sammlungsankäufe wesentlich. Wurden 1999 rund 10 Mill. S (730.000 Euro) für Ankäufe investiert, stieg die Ankaufssumme 2001 auf rund 2,5 Mill. Euro. 2002 wurden für Ankäufe 1,45 Mill. Euro ausgegeben. Der derzeitige Basisbetrag für das "Kunsthistorische" beläuft sich auf 21,8 Mill. Euro jährlich und inkludiert auch das Völkerkundemuseum sowie das Österreichische Theatermuseum, die beide dem "Kunsthistorischen" angegliedert wurden.
MUMOK und MAK: Lage weniger erfreulich
Weniger erfreulich ist die Situation für das Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig (MUMOK), das im September 2001 seinen Basaltbau auf dem Areal des Museumsquartiers bezog und zum 1. Jänner 2002 vollrechtsfähig wurde. Die Basisabgeltung des Bundes für das vergangene Jahr betrug 7,37 Mill. Euro, für heuer sind es 7,27 Mill. Euro. Die Differenz ergibt sich aus einem Zuschuss für Kosten im Zusammenhang mit der Ausgliederung. Für Ausstellungen und Ankäufe standen im vergangenen Jahr rund 1,45 Mill. Euro zur Verfügung, gro-ße "Ankaufssprünge" sind daher für Direktor Edelbert Köb kaum möglich. Zu den genannten 1,45 Mill. Euro kommen noch Ankäufe der Österreichischen Ludwig-Stiftung, die dem MUMOK als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt werden. Deren jährliche Höhe ist flexibel, da die Stiftung auch für andere Museen ankauft. Zuletzt konnte das Museum mit Ankäufen in der Höhe von rund 500.000 Euro rechnen. Wenig rosig sieht auch Peter Noever vom Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien die Lage. Sein Haus ist seit Beginn des Jahres 2002 vollrechtsfähig und muss mit einer Basisabgeltung von acht Millionen Euro im Jahr arbeiten, die nicht der Inflation angepasst werden. Daraus hat das Museum, wie auch die anderen, nun die gesamten Personalkosten zu tragen, die früher zum Teil der Stadt Wien zufielen. Da Noever das MAK, das er seit bereits 16 Jahren leitet, nicht als "Museum" sieht, sondern als ein Ort, der eine Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst bewirken soll, ist ihm ein lebendiger Ausstellungsbetrieb besonders wichtig. Die Vollrechtsfähigkeit, die Noever grundsätzlich als Anregung zur Eigeninitiative begrüßt, habe das MAK gezwungen, gerade an seinen Ausstellungen zu sparen. Im Jahr 2001 blieben die Ausstellungshallen in der ersten Jahreshälfte geschlossen. Für "Ankäufe von Kunstobjekten" verfügt das MAK seit 2000 über "kein Budget" mehr, heißt es in einem Aufruf "Zur Rettung der MAK-Sammlung". Wie hoch der Zuschussbedarf, egal, aus welchen Quellen, eines Museums ist, zeigt der Eigendeckungsbeitrag des MAK: die elf Prozent im Jahr 2000 möchte man bis 2004 auf 16 Prozent steigern.
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