25.03.2003 12:54
Schau "Gedicht oder Bild" würdigt Jiri
Kolar
Er gilt als der bedeutendste tschechische
Künstler des 20. Jahrhunderts
Wien - Jiri Kolar gilt als der bedeutendste tschechische
Künstler des 20. Jahrhunderts. Er war ein Erneuerer der Collagekunst, die für
ihn eine Entsprechung zu seiner Arbeit mit Sprache bedeutete. Letzten Sommer
erlag Kolar (88) in Prag einem Kreislaufversagen. Die Wiener Galerie Ernst
Hilger widmet dem Maler und Schriftsteller die Retrospektive "Gedicht oder Bild"
mit Collagen und kleineren dreidimensionalen Raumarbeiten aus den Jahren 1960
bis 1990 (28. März bis 24. April).
Werdegang
Der gelernte
Tischler Kolar wurde 1914 im südböhmischen Protivin geboren. In den 1940er
Jahren war er Mitglied der "Art Group 42". Seine Publikationen und die
öffentliche Kritik des politischen Regimes brachten ihm längere
Gefängnisaufenthalte ein. Nach Unterzeichnung der antisozialistischen "Charta
77" geriet er mit dem CSSR-Regime vollends in Konflikt. Anfang der 80er Jahre
wurde der Künstler ausgebürgert und ging nach Paris ins Exil. Erst 1992 erhielt
er die tschechische Staatsbürgerschaft wieder, und kehrte nach Prag zurück, wo
er bis zu seinem Tod lebte.
Nach mehreren Jahren als Übersetzer machte
sich Kolar 1943 als Autor und bildender Künstler selbstständig. Seine
künstlerischen Wurzeln liegen im Surrealismus. Er schuf vor allem Collagen,
wobei er oft bekannte Vorlagen in überraschender Weise verzerrte.
Charakteristisch wurden seine "Rollagen", bei denen er Kopien bekannter Gemälde
in schmale Streifen zerschnitt und als irritierende Schöpfung neu
zusammensetzte. International schaffte er auf der vierten Kasseler "documenta"
im Jahr 1968 den endgültigen Durchbruch. Seine Werke sind in vielen bedeutenden
Privatsammlungen und Museen vertreten.
Sprachkunst
Mit der
französischen Ausgabe seines Bilder-Tagebuchs "Augenzeuge" war Kolar 1984 auch
als Schriftsteller bekannt geworden. Er hatte schon früh mit der Sprache
experimentiert. Zu seinen "Knotengedichten", an Bindfäden aufgehängten
Alltagsgegenständen, wurde Kolar durch die südamerikanische Knotenschrift
inspiriert. Er publizierte Monografien, Anthologien, Kinderbücher und Kataloge.
Für seine Arbeiten ist Kolar vielfach ausgezeichnet worden.
Eine
Besonderheit Kolars ist, dass der Künstler alle Werke durch die gleiche
Oberflächenstruktur des gedruckten Papiers vereinheitlicht hat, um die
objekteigene Materialität zu verweigern und den Blick auf das für ihn
wesentliche zu lenken. Geschätzt werden seine Arbeiten auch durch eigenwilligen
Humor und Ironie, die er durch Zitate aus verschiedenen kunstgeschichtlichen
Epochen erzielte. (APA)