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10.07.2003 15:45

Gegenwartskunst zum Sinn des Lebens
Das laut Eigendefinition "kontrastreichste Privatmuseum Österreichs" im Südtrakt des Stifts Admont - Foto

Das Benediktinerstift Admont widmet den dreistöckigen Südtrakt des Klosters einer weiträumigen Museumslandschaft für seine historischen Kunstschätze wie die umfassende Sammlung zeitgenössischer Kunst.




Admont - Das am 28. Mai eröffnete, laut Eigendefinition "kontrastreichste Privatmuseum Österreichs" beinhaltet neben seinem Zentralstück, der einzigartigen Stiftsbibliothek, auch ein Kunsthistorisches Museum und die seit 1997 im Aufbau befindliche Sammlung österreichischer Gegenwartskunst.

Der Schwerpunkt dieses besonderen Teils des Museums liegt sicher in der österreichischen Malerei von 1990 bis in die Gegenwart. Die Auswahl der Werke wird nicht, wie man es bei einem Stift vielleicht erwarten würde, von kirchlichen Themen geprägt, "es steht vor allem die Qualität im Vordergrund", erklärt der Admonter Sammlungsleiter Michael Braunsteiner, "der spirituelle Kontext ist jedoch durchaus eine inhaltliche Linie."

Die konkrete Auswahl, welche Werke angekauft oder in Auftrag gegeben werden, bleibt, wie bei jeder Privatsammlung, letztlich eine persönliche Entscheidung. Die Basis der Sammlung bilden drei großformatige Werke aus dem Alpha Omega-Zyklus von Hubert Schmalix, der Mitte der 90er-Jahre entstand.

Neben Schmalix sind etwa Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl oder Alois Mosbacher mit einer größeren Werkzahl vertreten, ferner ein Querschnitt von Bildern Alfred Klinkans und die Schenkung Hannes Schwarz, der ein eigener Raum im Erdgeschoß gewidmet ist.

Die derzeit laufende Eröffnungsausstellung umfasst etwa Bilder von Thomas Baumann, Josef Danner, Jakob Gasteiger, Josef Kern, Michael Kienzer, Rudi Molacek, Lois Renner, Gerwald Rockenschaub, Lois Weinberger oder Otto Zitko.

Eine große Herausforderung besteht für Braunsteiner darin, dass von 1800 bis 1997 keine Kunst angekauft wurde: "In diesem Zusammenhang kann man über die bestehende Sammlung als eine mit Lichtgeschwindigkeit entwickelte sprechen. Die moderne Kunst soll nicht nur im und durch das Museum nach außen wirken, sondern auch der Auseinandersetzung der Mönche mit dieser Kunst dienen." Dass sich daraus diskursive Auseinandersetzungen ergeben, sieht er durchaus positiv. Für jährliche Ankäufe stehen 210.000 Euro zur Verfügung, die sich auf direkte Ankäufe und Auftragsarbeiten aufteilen. Kooperation mit Galerien wie etwa Artmark, König, Schafschetzy oder Krinzinger treten gegenüber Direktankäufen in den Künstlerateliers immer stärker in den Hintergrund.

Seit dem Jahr 2000 wurden Künstler beauftragt, am Ort und im Auftrag des Stiftes Werke zu erarbeiten, die unter dem Titel Made for Admont ab 15. August präsentiert werden. Darunter finden sich Lois Renners Festung, One Minute Sculptures von Erwin Wurm, Rudi Molaceks fotografisches S/W-Porträt des Stiftes und Kurt Ryslavys Kastlbilder. Franz Grafs aktuelle künstlerische Intervention im Kunsthistorischen Museum kann ebenfalls zu dieser Gruppe gezählt werden.

Weitere Aufträge (je 35.000 Euro) wurden an Werner Reiterer, Thomas Baumann und an Constanze Ruhm vergeben, die außervisuelle Wahrnehmung thematisieren und speziell für Blinde "begreifbar" machen soll. Die Auswahl der Künstler und Werke wird im Kulturausschuss, dem auch Abt Franz Hubl angehört, innerhalb des Hauses getroffen Der 2001 gegründete bezahlte Kunstbeirat, dem der Sammler Josef Neuhauser, der Kunsttheoretiker Rainer Metzger und Rainer Fuchs vom Wiener Museum moderner Kunst angehörten, besteht offiziell nicht mehr.

Als Ziele nennt Michael Braunsteiner die wissen-schaftliche Begleitung der Sammlung durch Kataloge und etwa drei Ausstellungen im Jahr. "Der Abt steht hinter der Linie der Sammlung, die nicht nur auf ästhetisches Gefallen zielt, sondern aus der der Besucher nachdenklich hinausgehen, in der die Gegenwartskunst den Sinn des Lebens hinterfragen soll."
(DER STANDARD, Printausgabe, 10.7.2003)


Von
Thomas Hein

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