28.07.2003 10:26
Wie man mit Grafit verreist
Galerienrundschau: Zeichnungen von Werner Reiterer in der Galerie
Lendl
Die Zeichnungen des Werner Reiterer sind Projektentwürfe mehr als für sich abgeschlossene Ereignisse. Stets verschmitzt bebildern sie, was, mancherorten bereits ausgeführt, eine erfrischend neue Wahrnehmung von längst Vertrautem garantiert: Indem die Dinge beispielsweise bei ihrem Namen selbst genommen werden, und Fliegenpilze sich dann, Tischtennisbälle speiend, miteinander unterhalten, oder indem schon abgelutschte Metaphorik in Wörtlichkeit zurückverwandelt wird und etwa eine denkbar lange Leitung erst wieder für Erleuchtung sorgt. Raum-und Zeitgrenzen werden in einer leichtsinnig verkehrten Welt ganz ohne Mühe überbrückt: Ein Haus beginnt nächtens zu leuchten, Gesprochenes taucht unvermutet an entfernter Stelle wieder auf, und eine baffe Perserkatze wird - blähungsgewiss - zum Raumfahrtpionier. (trag, DER STANDARD, Printausgabe vom 28.7.2003)