13.08.2003 19:24
Heimische Meister auf der Seehöhe von
Gmunden
Auf dem Sprung zum internationalen Format:
Die Galerie 422 präsentiert jetzt Arnulf Rainer, ab September Daniel Spoerri -
Foto
Die Gmundner Unternehmerin Margund Lössl führt eine Galerie im
Nebenberuf - mittlerweile eine oberösterreichische Institution auf dem Sprung
zum internationalen Format. Im Moment zeigt sie Neues von Arnulf Rainer, ab
September Daniel Spoerri.
Gmunden - Das Schlosshotel Orth als künstlicher Fernsehserienort im
Blickfang, See und Ort(h) bilden die Atmosphäre, in der Kunst entsteht, Kunst
(an)geboten wird. Die heutige Galeriebesitzerin und Inhaberin eines
Verzinkungsunternehmens, Margund Lössl, äußerte einmal in unbedachter später
Stunde den Wunsch gegenüber dem Besitzer einer Gmundner Galerie (Erich
Spitzbart), selbst eine solche zu führen.
Am nächsten Tag von ihm beim
Wort genommen, führt sie seit damals gemeinsam mit Erich Spitzbart die Galerie
an der Esplanade, aus Platzgründen übersiedelte man 1997 an den Standort "An der
Traunbrücke 9", einem mehrgeschoßigen Altbau, dessen Umbau hoher Investitionen
bedurfte.
Ihr Hauptberuf prägt einen wesentlichen Grundzug ihrer
Philosophie: "Der Käufer findet bei uns überprüfbare Qualität", er kann anhand
von Informationen über Verkäufe (Dorotheum), Kataloge, Messe- und
Ausstellungsbeteiligungen den Wert von Kunstwerk und Künstler überprüfen. Das
zusätzliche Rückgabe- und Umtauschrecht sieht Lössl als erhöhten Kundenschutz.
"Österreichische Kunst nach 1945" heißt die inhaltliche Ausrichtung der
Galerie 422, wobei der Anfang mit Gunter Damisch aussagekräftig gesetzt wurde.
Die weiteren Künstler fanden durch Mundpropaganda zur Galerie, der Standort
Gmunden und die professionelle Führung haben auch klingende Namen wie Siegfried
Anzinger, Herbert Brandl, Dietmar Brehm, Jakob Gasteiger, Peter Kogler, Kurt
Kocherscheidt, Rudi Molacek, Hermann Nitsch, Gerhard Rühm, Otto Zitko, Tone
Fink, Hans Staudacher oder Daniel Spoerri in die Stadt am Traunsee gebracht, den
Kunstort Galerie 422 (Seehöhe von Gmunden) geprägt.
Umfeld
Oberösterreich
Dazu kommt die Präsentation junger, oft unbekannter
Künstler, von Studenten aus den Klassen der Akademie am Schillerplatz und eine
jährliche Weihnachtsedition für Firmen.
Margund Lössl ist sich der Vor-
und Nachteile des Standortes durchaus bewusst, wie etwa die Auswahl der Künstler
und die merkantilen Anforderungen zusammenhängen - kommt doch ein Großteil der
Käufer/Kunden aus dem oberösterreichischen Umfeld.
Durch konsequente
Aufbauarbeit hat sich die Galerie und deren Qualitätsmaßstab ein zumindest
österreichweites Renommee in Fachkreisen geschaffen, was wiederum den Besuchern
und Käufern als Garantie für ein korrektes Preis-Leistungs-Verhältnis
dient.
Dass die Galerie Kontinuität in jeder Hinsicht schätzt, zeigt sich
auch in der künstlerischen Leitung durch den ehemaligen Galeriebesitzer Erich
Spitzbart, der gemeinsam mit Margund Lössl aus den Anfängen ein familiäres
Netzwerk zwischen Künstlern und der Galerie gesponnen hat, Freundschaften, die
auch durch eine hausinterne Woh-nung für Künstler gepflegt und intensiviert
werden.
Durch die Betreuung der Kunden der Galerie, auch durch die
genannten Serviceleistungen, zu denen weiters die Beratung beim Aufbau von
Sammlungen, das Rahmen der Bilder in der Galerie und Probehängen von Exponaten
gehören, entstand eine Käufergruppe, die sich für Margund Lössl dreiteilt: Jene,
die Bilder als Wertanlage sehen und statt in den unsicheren Aktienmarkt in
"sichere" Kunst investieren, jene, die bewusst Werke für eine Sammlung
auswählen, und jene, die einfach, anstatt andere Dinge zu schenken oder zu
kaufen, einmal ein "Bild an der Wand" haben wollen.
Volles Depot
Zentral ist für Lössl das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und
Galerist, das mit einem Besuch einer Ausstellung aus reinem Interesse an der
Kunst beginnt und vielleicht irgendwann in einen Ankauf, auch aus dem
reichhaltigen Depot, mündet.
Zur Präsenz der Galerie außerhalb Gmundens
zählen die Teilnahme an der Linzer Kunstmesse und der Kunstmesse Wien, wo sie
plant, den derzeit in der Galerie gezeigten Zyklus "NACKT (durch die
Jahrhunderte)" von Arnulf Rainer zu zeigen.
Die Spannung nach vielen
Ausstellungen liegt für Margund Lössl in der Herausforderung, auch bekannte, von
ihr geschätzte Künstler zu einer Präsentation in ihrer Galerie zu bewegen. Als
Fernziel strebt die Galerie 422 Internationalität an, Daniel Spoerri im
kommenden September ist als würdiger Auftakt in diese Richtung zu sehen. (DER
STANDARD, Printausgabe, 14./15.8.2003)