18.08.2003 11:39
Offene Bikinizonen
Hubert
Schmalix ist seit langem schon kein "junger Wilder" mehr - Ausstellung in der
Galerie Eugen Lendl - Foto
Hubert Schmalix ist seit langem schon kein "junger Wilder" mehr.
Die Zeiten, da er noch inwendig liegende Geheimnisse aus sich heraus und hernach
expressiv über die Leinwand stülpte, sind Geschichte. Vor 20 Jahren hat sich
seine Formenwelt gewandelt. Die energisch vorgetragene Kontur hat sich beruhigt,
hat sich motivisch an "der Frau" bedient, sie in viel sagender Gebärde, frei im
Farbfeld schwebend, mit symbolistisch aufgeladenen Objekten kombiniert. Und
Schmalix war daraufhin gar damit beschäftigt, biedermeierliche Vorortviertel
streng kantig aufzuführen oder das Selbstporträt als neues Christusbild zu
proklamieren.
Inzwischen hat die Leidenschaft den Künstler wieder
eingeholt: nicht jene alte für den wilden Strich, sondern die weitaus ältere für
alles weiblich Runde. Im sonnenlichtdurchwirkten, schwülen Boudoir oder tief im
Walde bereiten sich die Damen, räkeln sich knackig, um die Zeit der allergrößten
Mittagshitze in stiller Einfalt und auf Zuruf wartend zu verbringen, wenn sie
sich nicht schon Handfesterem brav saugend widmen.
Das voyeuristisch
Aufgemachte befriedigt dabei nicht bloß den verschwitzten Konsumenten reich
illustrierter Hochglanzmagazine, auch der sich am Bildbegriff Ergötzende darf
auf Erlösung hoffen, hat Schmalix doch die nackt posierenden Modelle
schematisiert, zeichnerisch im Cloisonné dem Bildgefüge einverleibt. Gauguins
Weisung, das Bild synthetisiert aus der Erinnerung zu malen, wird ohne
Widerspruch befolgt, ist Ansporn, die nur selten gut versteckten Vorlagen zu
suchen. (trag/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2003)