Wolfgang Ullrich

Mit dem Rücken zur Kunst

Die neuen Statussymbole der Macht

Cover: Mit dem Rücken zur Kunst

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2000
ISBN 3803151643,
Gebunden, 120 Seiten, 18,41 EUR

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Klappentext

Nie zuvor haben Banken und Unternehmen so viel Kunst gekauft wie in den letzten Jahrzehnten. Was aber machen sie damit? Wolfgang Ullrich untersucht in seiner Monographie, warum man mit zeitgenössischer Kunst so gut repräsentieren kann...

Rezensionen - Die Tageszeitung vom 19.12.2000

Harald Fricke findet die Betrachtungen des Münchener Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich über den Zusammenhang zwischen Kunst und Politik hochinteressant. Zwei Dutzend Beispiele hat Ullrich gefunden, in denen sich Politiker und Wirtschaftsbosse vor Werken zeitgenössischer Künstler ablichten ließen - um damit ein Image kultureller Distinktion zu transportieren. Damit zeige Ullrich, wie sich das Bild des Herrschers für die Öffentlichkeit verändert habe. Insignie der Macht sei heute nicht mehr das "Selbstporträt hoch zu Ross" mit Telefon und Firmenlogo, sondern der gute Geschmack, zur Schau gestellt im Blick auf eben jene Kunstwerke, vor denen sich die Mächtigen von Heute gerne auf Fotopapier verewigen lassen. Geschickt leite Ullrich eine Blickhierarchie aus der Rezeptionsgeschichte zeitgenössischer Kunst ab: Je geringer das Verständnis des Publikums für Bilder, umso nachhaltiger die Bewunderung für diejenigen, die sich zum Fototermin vor diesen Bildern zeigten. Ullrich führe mit seiner Untersuchung fort, was Pierre Bourdieu in "Die feinen Unterschiede" begonnen habe. Alles werde kulturell gedeutet und Stilsicherheit suggeriere Entscheidungswillen.

Rezensionen - Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.11.2000

Was das Buch leistet, ist rasch gesagt. Das Phänomen des modernen Machtmenschen, der sich mit moderner Kunst umgibt, wird hier "in seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung gewürdigt". Jene Bilder, bekannt aus einschlägigen Kapital- und Managermagazinen, auf denen Wirtschaftsführer und Politiker vor zeitgenössischen Gemälden und Skulpturen posierten, so Mark Siemons in seiner Besprechung, unterziehe der Autor einer ikonographischen Begutachtung. Besonders beeindruckt zeigt sich Siemons von der konzisen Präzision der Bildbeschreibungen; wie nebenbei entstehe da eine Phänomenologie jener Welt, die ihre Unternehmungen als Kunst begreife, schreibt er. Hinsichtlich der Frage, was bei einem derartigen Selbstverständnis der Mächtigen noch für die Kunst übrigbleibt, muss Siemons allerdings auf sein eigenes spekulatives Vermögen zurückgreifen. Die nämlich stellt sich dem Autor gar nicht erst.