Der Katalogband der großen Ausstellung in Bern sich Meret
Oppenheims ganzen Schaffen
Manchmal verstellt ein einziges Werk den Blick auf die
vielfältigen anderen Arbeiten und die Entwicklung eines Künstlers, einer
Künstlerin. Meret Oppenheims Pelztasse ist ein Beispiel. Als gerade 23-Jährige
hat sie, von Picasso in Paris mehr provoziert als inspiriert, den Einfall
gehabt, der sie zu einem Jungstar der Surrealisten katapultiert hat. Daraufhin
wurde vieles von dem, was die 1913 in Berlin geborene, in der Schweiz groß
gewordene Oppenheim produzierte, zum Modisch-Lustigen verniedlicht. Das wird
ihrem vielfältigen, von Richtungswechseln und immer neuen Anläufen angetriebenen
Schaffen nicht gerecht.
Zwischen Paris und der Schweiz pendelnd, schuf sie ein umfangreiches Werk -
Bilder, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Selbstbemalung, Drehbücher.
Andererseits kokettierte sie später selbst mit dem "Frühstück in Pelz" und
führte es fast als Logo in die feministischen Kunstdiskussionen ab den
Siebzigern ein. Es ziert auch das Cover von Meret Oppenheim Retrospektive (€
XX/360 Seiten. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2006). Doch zum Glück widmet der
Katalogband der großen Ausstellung in Bern (noch bis 8. Oktober) sich ihrem
ganzen Schaffen, bis zu ihrem Tod 1985 - am Tag einer Vernissage. (mf, DER
STANDARD, Printausgabe vom 15./16.7.2006)