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Salzburger Nachrichten am 14. Dezember 2006 - Bereich: Kultur
"Professor Sackerl"
Die Wienbibliothek im Rathaus zeigt eine Ausstellung zu Marcel Prawy
ERNST P. STROBL Wien (SN). Eigentlich ein Albtraum für Erben: Plastiksackerln, 750 volle Umzugskartons, dazu etliche prall gefüllte Koffer, gerahmte Bilder, Plakatrollen, alles, weil der Verblichene jahrzehntelang seiner Sammelwut gefrönt hat. Marcel Prawy, als "Opernführer der Nation" bekannt, sammelte alles zum Thema Oper, Operette und Musicals. Seine Lebensfreundin und Erbin, Senta Wengraf-Herberstein, überreichte das Material ein Jahr nach Prawys Tod 2003 der Stadt Wien, seither erfolgt im Rathaus die Säuberung, Sichtung und Ordnung der Hinterlassenschaft.
Seit Mittwoch - und noch bis 13. April - ist in der Wienbibliothek im Rathaus, Eingang Feldergasse, Stiege 4, eine Ausstellung eingerichtet zur Person des Marcel Prawy und seiner Leidenschaft. Auch an weiteren, teils eng mit der Biografie des Opernnarren verbundenen Standorten - Theater an der Wien, Volksoper, Haus der Musik, Hotel Sacher - sind Schaustücke zu sehen.
Oft kopiert, nie erreicht, das muss man ihm lassen. Ganze Generationen kamen durch die mitreißenden TV-Sendungen des "Opernführers" (ab 1965) der Gattung Oper näher und auf den Geschmack, was neidlos der ansteckenden Begeisterung des noblen Herrn Prawy zuzuschreiben war.
Die letzten Lebensjahre wohnte Prawy im Hotel Sacher ("Hotel Sackerl"), vor allem wegen der Nähe zur Oper, die er als seinen eigentlichen Wohnsitz ansah. Der 1911 als Marcell Frydmann Ritter von Prawy in Wien geborene Autor, Dramaturg, Lehrer und Produzent hatte ein wechselvolles Leben, das auch in einem Begleitbuch zur Ausstellung gut dokumentiert ist. Nicht alle empfanden den leidenschaftlichen Menschen als nett, Gérard Mortier nannte ihn sogar "bösartig". Prawy verlor einen von ihm angestrengten Prozess wegen der Neuenfels-"Fledermaus" bei den Salzburger Festspielen.
"Ich habe stets in meinem Leben, seit ich Wissen vermittle, das Einzige gelehrt, was mir zu lehren wert schien: Liebe. Die Liebe zur Musik auch anderen zu ihrer Bereicherung zu vermitteln", sagte Prawy.Information: www.wienbibliothek.at |