Archiv Ausgabe: ED 1-2/2004 30.1.2004
 









Ausgabe: ED 1-2/2004 30.1.2004


Die Mäzene
(02.02.2004)

Die Renaissance des privaten Mäzenatentums hat auch die Werbebranche erfasst. Kein Wunder: Geht es dabei doch um Investitionen in die Zukunft.

Charles Saatchi ist nicht nur britischer Werbeguru, sondern auch Kunstsammler und Galerist. Er verhalf schon sehr vielen Künstlern zu glänzenden Karrieren. Saatchis größter Coup war die aus seiner Sammlung kompilierte "Sensation"-Ausstellung, die als kalkulierter Skandal das Label "Young British Artists" (YBA) weltweit etablierte.

Mäzenatentum hat Tradition. "Künste und Wissenschaften sind der Ruhm einer Nation", schrieb der französische Philosoph Claude Helvetius Mitte des 18. Jahrhunderts. Damals entwickelte sich allmählich das bürgerliche Mäzenatentum.

Was davor nur Adel und Klerus zugestanden - beziehungsweise möglich - war, wurde nun auch vom Bürgertum geleistet. Die Motive dafür waren nicht nur selbstlos: Schließlich verwandelten sich die Fördergelder für Kunst und Wissenschaft von ökonomischem in kulturelles Kapital und leisteten so einen wichtigen Beitrag zum Kampf des Bürgertums um gesellschaftliche und politische Anerkennung.

Die Praxis des privaten Mäzenatentums erfuhr in unseren Breiten jedoch durch die diktatorische Anbindung der Kunst an den Staat in der NS-Zeit ein jähes Ende; erst nach der Zerschlagung dieser Schreckensherrschaft kam es nach und nach wieder zu seiner Etablierung. Mäzenatisches Handeln als eine Investition in die Zukunft setzt nämlich - neben finanziell potenten Geldgebern - auch stabile gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen voraus.

Inzwischen hat sich die private Kunstförderung längst wieder etabliert. Das Bild des Mäzens hat sich allerdings gewandelt. Sein ursprünglich "monarchischer" Charakter - und die damit verbundene Gefahr subjektiver Willkür - hat sich weitgehend verloren. Privates Mäzenatentum beschränkt sich außerdem nicht nur darauf, Defizite staatlichen Handelns zu kompensieren, sondern tritt mitunter in Konkurrenz zum Staat.

Erster Engel mit 13 Jahren
Auch in Österreich finden sich Beispiele für einen Kunstbetrieb nach Gutsherrenart - um einiges bescheidener zwar als Saatchis Mäzenatentum, aber immerhin mit derselben Leidenschaft.

Dem Bluetango-Chef Johannes Newrkla etwa wurde die Passion zum Sammeln schon in die Wiege gelegt: "Mein Vater hatte eine Schwäche für Lebzelten und Barockengel. Seinen ersten Engel hat er mit 13 Jahren gekauft. Ich bin zwischen Antiquitäten aufgewachsen, obwohl ich eigentlich aus einer armen Familie stamme", erzählt Janni Newrkla. Er fühlte sich aber immer stärker zur zeitgenössischen Kunst hingezogen: "Die moderne Kunst war für mich auch eine Form des Protests gegen meine Eltern."

Weitaus entscheidender war für Newrkla allerdings ein anderer Aspekt: "Die Kunst ist nicht nur ein Spiegel, sondern auch ein Brennglas der Zeit und Künstler haben zumeist einen geschärfteren Blick auf die Wirklichkeit als Nicht-Künstler." Von diesem Wissen hat Newrkla - der auch mit vielen Künstlern persönlich befreundet ist - immer sehr profitiert. "Es erweitert den Horizont", meint er, und das sei gerade in einer Branche wie der Werbung sehr wichtig: "Kunst heißt auch für eine Sache zu brennen, zu leiden - das können wir Werber nicht wirklich."

In Newrklas Sammlung finden sich Arbeiten österreichischer Künstler wie Peter Kogler, Hubert Schmalix oder Sigi Anzinger. Der persönliche Zugang ist Newrkla dabei besonders wichtig. Hin und wieder organisiert er auch Ausstellungen in seiner Agentur, so zum Beispiel im vergangenen Sommer: "Da waren Arbeiten von 30 jungen Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Eine wilde Aktion", erinnert sich Newrkla, der auch Folgeausstellungen plant.

Neben bildender Kunst interessiert sich Janni Newrkla auch für zeitgenössische Architektur. Die Agentur-Räumlichkeiten wurden vom Architekten-Duo Aichinger oder Knechtl gestaltet, Newrklas Privathaus zeigt die Handschrift von Star-Architekt Georg Driendl. Und: bei aller Leidenschaft darf nicht vergessen werden, dass Kunstsammeln auch eine Form der Kapitalanlage ist. "Allerdings eine besonders schöne", weiß Newrkla, und: "Wer hängt sich nicht lieber einen Franz West an die Wand als ein gerahmtes Sparbuch?"

Willkommen im Club
Eine Meinung, die auch Ralph Vallon vertritt. Er sammelt vorzugsweise "junge Kunst". Entscheidend ist, was ihm gefällt: "Wenn ich mich in ein Bild verliebe, dann will ich es auch haben", gesteht der Power Agency-Chef. In seiner Sammlung finden sich Arbeiten von Sabine Wiedenhofer, Mario Dalpra oder Hugh Scarry. Alle zwei bis drei Monate gibt es in der Power Agency eine Vernissage, meist im Rahmen des von Vallon ins Leben gerufenen Club Cuvee: "Wir haben an die 80 Mitglieder. Die Grundidee des Clubs war es, eine Verbindung von guter Kommunikation und gutem Wein zu schaffen", erklärt Vallon.

Denn: Neben Kunstproduzenten und Referenten aus der Wirtschafts, Kultur- oder Medienwelt ist auch immer ein Top-Winzer eingeladen. Im kommenden Jahr will Ralph Vallon gemeinsam mit seiner Frau Raphaela Vallon-Sattler die Aktivitäten noch in Richtung Charity erweitern: "Wir planen eine Aktion für alleinerziehende Mütter."

Kunstsinniger Galerist
Regelmäßige Vernissagen veranstaltet auch Christian Czaak, Geschäftsführer von czaak new media. Czaak kann ebenfalls auf eine langjährige Sammlertätigkeit verweisen. Sein Interesse galt ursprünglich eher Antiquitäten, er sammelt Tierkeramiken; bevorzugte Epochen: Art Deco und Jugendstil. In seiner Galerie - im Untergeschoß der Agentur - zeigt Czaak jedoch zeitgenössische Werke von meist unbekannten Künstlern.

"Wichtig ist mir der persönliche Bezug zu den Bildern und den Künstlern." Zu sehen sind abstrakte Malerei, Skulpturen oder Fotografien, etwa von Andi Urban oder, aktuell, Bilder von Maria Consuelo Vargas de Speiss. Die Ausstellungen gehen über zwei bis drei Monate. Ein bis zwei Bilder der jeweiligen Ausstellung kauft Czaak selbst. Als Investition sieht er das nicht unbedingt, "aber: Wer weiß?"

Autor: Ute Fuith, Bildrechte: Sascha Büchi



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