Charles
Saatchi ist nicht nur britischer Werbeguru, sondern auch Kunstsammler
und Galerist. Er verhalf schon sehr vielen Künstlern zu glänzenden
Karrieren. Saatchis größter Coup war die aus seiner Sammlung
kompilierte "Sensation"-Ausstellung, die als kalkulierter Skandal das
Label "Young British Artists" (YBA) weltweit etablierte.
Mäzenatentum
hat Tradition. "Künste und Wissenschaften sind der Ruhm einer Nation",
schrieb der französische Philosoph Claude Helvetius Mitte des 18.
Jahrhunderts. Damals entwickelte sich allmählich das bürgerliche
Mäzenatentum.
Was davor nur Adel und Klerus zugestanden -
beziehungsweise möglich - war, wurde nun auch vom Bürgertum geleistet.
Die Motive dafür waren nicht nur selbstlos: Schließlich verwandelten
sich die Fördergelder für Kunst und Wissenschaft von ökonomischem in
kulturelles Kapital und leisteten so einen wichtigen Beitrag zum Kampf
des Bürgertums um gesellschaftliche und politische Anerkennung.
Die
Praxis des privaten Mäzenatentums erfuhr in unseren Breiten jedoch
durch die diktatorische Anbindung der Kunst an den Staat in der NS-Zeit
ein jähes Ende; erst nach der Zerschlagung dieser Schreckensherrschaft
kam es nach und nach wieder zu seiner Etablierung. Mäzenatisches
Handeln als eine Investition in die Zukunft setzt nämlich - neben
finanziell potenten Geldgebern - auch stabile gesellschaftliche und
politische Rahmenbedingungen voraus.
Inzwischen hat sich die
private Kunstförderung längst wieder etabliert. Das Bild des Mäzens hat
sich allerdings gewandelt. Sein ursprünglich "monarchischer" Charakter
- und die damit verbundene Gefahr subjektiver Willkür - hat sich
weitgehend verloren. Privates Mäzenatentum beschränkt sich außerdem
nicht nur darauf, Defizite staatlichen Handelns zu kompensieren,
sondern tritt mitunter in Konkurrenz zum Staat.
Erster Engel mit 13 Jahren
Auch
in Österreich finden sich Beispiele für einen Kunstbetrieb nach
Gutsherrenart - um einiges bescheidener zwar als Saatchis Mäzenatentum,
aber immerhin mit derselben Leidenschaft.
Dem Bluetango-Chef
Johannes Newrkla etwa wurde die Passion zum Sammeln schon in die Wiege
gelegt: "Mein Vater hatte eine Schwäche für Lebzelten und Barockengel.
Seinen ersten Engel hat er mit 13 Jahren gekauft. Ich bin zwischen
Antiquitäten aufgewachsen, obwohl ich eigentlich aus einer armen
Familie stamme", erzählt Janni Newrkla. Er fühlte sich aber immer
stärker zur zeitgenössischen Kunst hingezogen: "Die moderne Kunst war
für mich auch eine Form des Protests gegen meine Eltern."
Weitaus
entscheidender war für Newrkla allerdings ein anderer Aspekt: "Die
Kunst ist nicht nur ein Spiegel, sondern auch ein Brennglas der Zeit
und Künstler haben zumeist einen geschärfteren Blick auf die
Wirklichkeit als Nicht-Künstler." Von diesem Wissen hat Newrkla - der
auch mit vielen Künstlern persönlich befreundet ist - immer sehr
profitiert. "Es erweitert den Horizont", meint er, und das sei gerade
in einer Branche wie der Werbung sehr wichtig: "Kunst heißt auch für
eine Sache zu brennen, zu leiden - das können wir Werber nicht
wirklich."
In Newrklas Sammlung finden sich Arbeiten
österreichischer Künstler wie Peter Kogler, Hubert Schmalix oder Sigi
Anzinger. Der persönliche Zugang ist Newrkla dabei besonders wichtig.
Hin und wieder organisiert er auch Ausstellungen in seiner Agentur, so
zum Beispiel im vergangenen Sommer: "Da waren Arbeiten von 30 jungen
Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Eine wilde Aktion", erinnert sich
Newrkla, der auch Folgeausstellungen plant.
Neben bildender
Kunst interessiert sich Janni Newrkla auch für zeitgenössische
Architektur. Die Agentur-Räumlichkeiten wurden vom Architekten-Duo
Aichinger oder Knechtl gestaltet, Newrklas Privathaus zeigt die
Handschrift von Star-Architekt Georg Driendl. Und: bei aller
Leidenschaft darf nicht vergessen werden, dass Kunstsammeln auch eine
Form der Kapitalanlage ist. "Allerdings eine besonders schöne", weiß
Newrkla, und: "Wer hängt sich nicht lieber einen Franz West an die Wand
als ein gerahmtes Sparbuch?"
Willkommen im Club
Eine
Meinung, die auch Ralph Vallon vertritt. Er sammelt vorzugsweise "junge
Kunst". Entscheidend ist, was ihm gefällt: "Wenn ich mich in ein Bild
verliebe, dann will ich es auch haben", gesteht der Power Agency-Chef.
In seiner Sammlung finden sich Arbeiten von Sabine Wiedenhofer, Mario
Dalpra oder Hugh Scarry. Alle zwei bis drei Monate gibt es in der Power
Agency eine Vernissage, meist im Rahmen des von Vallon ins Leben
gerufenen Club Cuvee: "Wir haben an die 80 Mitglieder. Die Grundidee
des Clubs war es, eine Verbindung von guter Kommunikation und gutem
Wein zu schaffen", erklärt Vallon.
Denn: Neben Kunstproduzenten
und Referenten aus der Wirtschafts, Kultur- oder Medienwelt ist auch
immer ein Top-Winzer eingeladen. Im kommenden Jahr will Ralph Vallon
gemeinsam mit seiner Frau Raphaela Vallon-Sattler die Aktivitäten noch
in Richtung Charity erweitern: "Wir planen eine Aktion für
alleinerziehende Mütter."
Kunstsinniger Galerist
Regelmäßige
Vernissagen veranstaltet auch Christian Czaak, Geschäftsführer von
czaak new media. Czaak kann ebenfalls auf eine langjährige
Sammlertätigkeit verweisen. Sein Interesse galt ursprünglich eher
Antiquitäten, er sammelt Tierkeramiken; bevorzugte Epochen: Art Deco
und Jugendstil. In seiner Galerie - im Untergeschoß der Agentur - zeigt
Czaak jedoch zeitgenössische Werke von meist unbekannten Künstlern.
"Wichtig
ist mir der persönliche Bezug zu den Bildern und den Künstlern." Zu
sehen sind abstrakte Malerei, Skulpturen oder Fotografien, etwa von
Andi Urban oder, aktuell, Bilder von Maria Consuelo Vargas de Speiss.
Die Ausstellungen gehen über zwei bis drei Monate. Ein bis zwei Bilder
der jeweiligen Ausstellung kauft Czaak selbst. Als Investition sieht er
das nicht unbedingt, "aber: Wer weiß?"