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A FIST OF LOVE

Michaela Falkner hat ihr zweites Buch veröffentlicht. Ihr Geld verdient sie sich unter anderem als Ghostwriterin. In der Kunst wird sie zur Zeremonienmeisterin.

Michaela FalknerMichaela Falkner, 1970 geboren in Kollerschlag, Oberösterreich, arbeitet
und lebt in Wien. Promovierte in politischer Psychologie (zum Thema „Verbale Konstrukte“). Während des Studiums Arbeiten in Regie und Dramaturgie.

„Textperformances, Textsorte Manifest, Moritat und Stationendrama sind die Schwerpunkte meines literarischen Agierens. Pathos und die essenziell theatralische Komponente des Aktes der Stellungnahme als leitender Werkgedanke.“




Im Herbst 2005 erschien das Buch „A Fucking Masterpiece“. Das Buch „Falkner II. Eine Moritat in siebzehn Bildern“ erschien jetzt im Czernin-Verlag.

Am Dienstag, den 7. November, findet im Rahmen einer MAK NITE um 21 Uhr im MAK in Wien eine Performance von Michaela Falkner statt: „The Execution of Ludwig – Eine theatralische Hymne“

Der Versuch, Ihr Buch „Falkner II“ zu lesen, scheiterte an den darin beschriebenen Bildern. Ich mochte mich diesen nicht aussetzen. Anders war es mit den Manifesten, die auf den nächsten Seiten abgedruckt sind. Diese empfinde ich, vielleicht auch durch ihre Kürze, nicht ganz so unangenehm.

Was interessiert Sie am Beschreiben von Handlungen wie dem Zerstechen, dem Zerschneiden, dem Zerbrechen von menschlichem Fleisch und Knochen?

Mich interessiert der sensuale Aspekt von Gewalt, nicht dessen ideologisches Begründungsfeld. Die Sinnlichkeit, die so ein Text vermitteln kann. Der apokalyptische Kern. Etwas zerstören, neu aufbauen, eine Ordnung nach eigenen Sehnsüchten aufbauen. Dazu gehört auch das Schaffen von Menschen nach eigenen Schönheitsbegriffen. Knochen haben einen großen erotischen Reiz für mich, wenn die Sensationen eines Körpers so offen daliegen.

Ihre Bilder der Gewalt zeichnen ein sehr starkes sinnliches Bild, die durch das Moment Macht entsteht. Haben Sie jemals Gewalt an Ihrem eigenen Körper sinnlich wahrgenommen?

Hingabe und Unterwerfung des Gegenübers, oder selber in dieser Rolle zu sein, sind Erfahrungen, die am Herz rühren. Die devot gestimmten Anteile in uns finden das meist richtig, richtig schön. Es sind Grenzerfahrungen, die auch von großer Energie künden. Erfahrungen des Exzesses, das Prinzip Verausgabung durch die Größe von Gefühlen, das Pochen auf extreme Gefühlslagen – klar sind das unbedingt sinnliche Erfahrungen und ich kenne sie sehr gut.

In „Falkner II“ ist dies aber als ein Teil einer Abstraktionsebene zu verstehen, die eingezogen wurde. Literatur- und Kunstproduktion muss meinem Verständnis nach eine Abstraktionsebene einziehen. Die originäre Abbildung von Welt ist mir uninteressant.


Sie haben politische Psychologie studiert. Sehen Sie zwischen Politik, Gewalt, Erotik und der abstrakten Weltdarstellung durch Kunst Verbindungen?

Ich ziehe jedenfalls diese Verbindung. Im Versuch, den Menschen als anrührend kreatürliche, sprachlich vermittelte Skulptur darzustellen: die sublime Schönheit des Geworfenen in dieser Welt. Macht, Willkür, Gehorsam, Abhängigkeit, disziplinäre Gewalt, all das variiert vor unser Augen. Es sind Taktiken der Konfrontation, die ich in meinem Werk dekliniere. Träger ist bei mir immer das Wort, der Text, die Intentionalität von Texten. Einen Text als Manifest auszuschildern dient auch der Rezeptionssteuerung, kündet von einer alles andere als defensiven Autorenhaltung. Erhebt Machtansprüche. Ich selbst bezeichne mich dann folgerichtig als Zeremonienmeisterin Überbringerin und Verkünderin, versuche darin furchtlos zu sein.

Aus welchen Quellen schöpft die Zeremonienmeisterin ihre Kraft? Wie entstehen Ihre Texte?

Als von meiner Disposition her recht manisch Organisierte muss ich mich vor allem dem stellen, wie ich mein Hirn permanent fülle, wie ich meine Inspiration in Gang halte. Ich verbrenne sehr viel, brauche also viel Material: Bilder, Information, Nachrichten, also täglich jede Menge Feuilleton, Film, bildende Kunst, im Moment Spezialgebiet Skulptur. Die Texte entstehen in einer Unzahl von Schichten, Überarbeitungen indem immer neue Bilder aus ganz anderen Zusammenhängen zugefügt werden. Ich reagiere sehr körperlich auf Wörter, daher auch der Rhythmus, der meinen Texten innewohnt. Texte bauen ist ein körperlicher Vorgang, den ich dann auch bei Lesungen oder Performances zu vermitteln suche, als Fleisch gewordenes Wort.

Manifest - 08

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