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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
15. Mai 2007
13:35 MESZ
"Blicke, Passanten - 1930 bis heute". Dauer der Ausstellung: 16. Mai bis 9. September. Albertina, Wien, 1., Albertinaplatz 1. 
Foto: APA/JOE MEYEROWITZ/COURTESY EDWYNN HOUK GALLERY, NEW YORK/ALBERTINA, WIEN
"56th Street and 3rd Avenue, New York, Street with pole, shadows, 1975-1976" von Joel Meyerowitz

Städtische Ansichten in der Albertina
Fotoausstellung "Blicke, Passanten - 1930 bis heute" zeigt rund 250 Perspektiven aus der hauseigenen Sammlung

Wien - "Gegen den Strich der Fotografiegeschichte" hat Kurator Janos Frecot in der Albertina die neue Fotoausstellung "Blicke, Passanten - 1930 bis heute" konzipiert. Statt chronologischer Abfolgen sind ab Mittwoch rund 250 Werke in thematischen Blöcken wie etwa "Sichtbare Zeit" oder "Stadt, Nacht" zu sehen. Aus dem Bestand der Fotosammlung der Albertina will Frecot eine "poetische Textur" zusammen stellen, was dem Gründer der Photographischen Sammlung am Landesmuseum "Berlinische Galerie" auf hohem Niveau gelingt. Dienstag Abend (18.30 Uhr) wird die Schau eröffnet.

Wie es auch im Katalog (Brandstätter Verlag) heißt, kann die Ausstellung nur unzulänglich unter den Gattungsbegriff "Street Photography" gestellt werden, was bereits im Eingangsbereich sichtbar wird: Dort zeigt Frecot unter dem Titel "Sichtbare Zeit" Arbeiten von John Coplans, David Goldblatt, Lewis Baltz und Seiichi Furuya. Hier soll der "Prozess der Veränderung im Sammeln von Zeit und Licht sichtbar gemacht" werden. Es dominieren die stillen Momente - sei es in der Privatheit oder in der offenen Natur -, erst unter dem Titel "Blicke, Passanten" wird das urbane Leben, Momentaufnahmen aus Städten wie etwa New York, Berlin oder Wien ins Licht gerückt.

Vor- und Nachkriegszeit

Hier reicht das Spektrum von Henri Cartier-Bressons Fotografien aus den 30er Jahren über Lisette Model, deren spannende "Schaufensterspiegelungen, 1939 - 1934" gezeigt werden, bis hin zu den bedrückenden Nachkriegsaufnahmen von William Klein. Die wenigen Farbfotografien der Ausstellung kommen von Joel Meyerowitz, der sich im New York der 70er-Jahre dem Spannungsfeld zwischen Passtanten und Bauten widmete. In die 80er-Jahre führt schlussendlich Garry Winogrand, dessen Arbeiten u.a. die Idylle in der Großstadt widerspiegeln.

Das urbane Nachtleben fasst Frecot im Block "Stadt, Nacht" zusammen, hier stehen etwa Bilder von Brassai (30er-Jahre) neben Arbeiten von Daido Moriyama, auch Lisette Model findet sich hier wieder. Städtische Ansichten ohne Menschenmengen zeigen Fotos von Stephen Shore oder Andre Kirchner im Raum "Bauten, Räume, Zwischenwelten", unter den "Dunklen Bildern" findet sich etwa der neunteilige Zyklus "Waffenruhe" von Michael Schmidt, die beklemmende Aufnahme "Hiroshima, 1963" von Christer Strömholm bildet einen emotionalen Höhepunkt dieses Abschnitts. Danach der Block "Verrückter Alltag", , den Schluss bilden "Randlagen", hier versöhnen Arbeiten von Robert Frank und Inge Morath.

Hauseigene Sammlung

Alle gezeigten Fotos stammen aus der Sammlung der Albertina. 1999 wurde hierfür eine eigene wissenschaftliche Abteilung geschaffen, was Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder bei der heutigen Presseführung als ersten "dramatischen Schritt der Neuorientierung" des Hauses nannte, dem die baulichen Veränderungen folgten. In der Fotosammlung habe man den Schwerpunkt auf die "Street Photography" gelegt, um "nicht auszuufern". Mit "Blicke, Passanten" zeigt man nun einige der wichtigsten Arbeiten der Sammlung, die einen Besuch auf jeden Fall Wert sind. (APA)


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