



Kinderfiguren kauern einander zugewandt auf allen Vieren am Boden. Doch hier wird nicht gespielt, hier ist gar nichts harmlos und erst recht nicht friedlich: eine Situation, die unberechenbar wirkt, bereit zu entgleisen. Die mit Hasen-, Schaf- und Kuhmasken aus regelrecht gewalttätig auseinandergerissenen Plüschtieren verkleideten Kinder - Woodoo (2005) - robben am Boden, als wollten sie im nächsten Moment einen gnadenlosen Krieg der Haustiere entfachen.
Mit Lumpen und Klebeband fertigt Kettner Körper, die sie mit Altkleidern ummantelt - Material, das, wie sie sagt, "vom Leben abgenommen und überall verfügbar ist". Das Wickeln und Bandagieren verlangt keine große Handwerklichkeit, ein Umstand, der der 1969 in Mainz geborenen und in Metallverarbeitung ausgebildeten Bildhauerin wichtig ist: Das Endgültige, die Perfektionierung der Körper interessiert sie nicht. - Die Maskierung ihrer Figuren verschleiert jegliche Individualität, wirft den Betrachter zurück auf das Beobachten eines Gruppengefüges, erinnert an alltägliche, mitunter erschreckende Situationen im urbanen Alltag. So wie die Künstlerin eines Morgens in Berlin Friedrichshain eine Razzia in einem leer stehenden Gebäude beobachtete: Jugendliche Punks wurden auf der Suche nach Drogen an die Hauswand gestellt und durchsucht. Eine Szenerie. wohlbekannt aus amerikanischen Serien, mit dem Unterschied, dass dort fast noch Kinder standen. Erschreckendes, das in Kettners Gruppe Gang #2 (2005) eine dramatische Übersetzung findet.
Vielschichtig auch ihre Superheroes: Erwachsene, mittels Superhelden-Masken anonymisierte Figuren, positionierte sie 2005 in der U-Bahn-Station Alexanderplatz. Die zum Teil überaus freundlichen, aber auch aggressiven Reaktionen der Passanten dokumentierte Kettner per Video. Stimmig machen ihre spukigen Arrangements zusätzlich die Zitate verlustig gegangener Stadträume, die Dörte Hausbeck in direkt an der Wand montierten Fotoarbeiten vergegenwärtigt. (kafe/ DER STANDARD, Printausgabe, 16.05.2007)