
Neben den spielerischen, inszenierten oder erinnerten "Ich-Bildern" von Anja Manfredi, Edith Payer, Anette Sonnewend, Gunda Wiesner u. a. sind in der von Bernadette Ruis kuratierten Ausstellung auch ein paar "Idealgesichter" zu sehen: Das gleichnamige Projekt von Christina Tsilidis begleitet dreizehn Models, die jeweils von einem Schönheitschirurgen beraten werden. Dass dieser auch bei den ohnehin sehr schönen Frauen einiges zu bekritteln hat, zeigen ihre Porträts, auf denen rote und blaue Linien die noch nicht ganz dem europäischen Idealmaß entsprechenden Gesichtszüge der Frauen markieren.
Anders als Tsilidis' Arbeit, die die wahnwitzig vor sich hin treibenden Blüten der globalisierten Schönheitsindustrie dokumentiert, behandelt Doris Schmidt die enge Verbindung von Identität und Gesicht. Zu sehen ist das Spiegelbild einer Frau, die sich wäscht. Nach jeder Berührung mit Wasser schiebt sich ein fremdes Gesicht vor ihr Abbild, das sich hinter den Projektionen von außen verbirgt.
Während Doris Schmidt mit einer surreal anmutenden Ästhetik arbeitet, um zu vermitteln, dass einem der Verlust der Identität auch den Boden unter den Füßen wegzieht, erreicht Viktoria Tremmel - sie hat bei Bruno Gironcoli studiert - mit semi-dokumentarischen Mitteln einen ähnlich beklemmenden Effekt."Allerleirauh" heißt ihre Arbeit, in deren Mittelpunkt eine junge Frau steht. Eingehüllt in mehrere Kleiderschichten sitzt sie auf einem Stuhl, während die Künstlerin mit einer Schere die seelischen und körperlichen Zurichtungen der jungen Frau nach und nach wieder freilegt, die sie sich auch selbst in den Körper eingeritzt hat. (cb/ DER STANDARD, Printausgabe, 16.05.2007)