
Anregungen durch Kultur der Indianer.

Tiefe Liebe zu alten Symbolen.
Wien.
Eine Zeitreise durch die Vielfalt der Farben, Formen, Körper und
Antlitze in vergangene Epochen sind die Folge einer intensiven
Auseinandersetzung mit den Werken des österreichischen Malers und
Graphikers Christoph Kiefhaber. Er vermag dem sensiblen Auge die Chance
einer Begegnung mit der unendlichen Tiefe der eigenen Fantasie zu
schenken.
Das Tor in die Welt der Seele, die dann in
der Lage ist, sich mit Pinsel und Palette in Farben auszudrücken,
durchschritt Christoph Kiefhaber bereits mit 13 Jahren in der "Schule
des Sehens" bei Oskar Kokoschka, wo er den Einstieg in die Magie der
Malerei erlebte. Die Inspiration führte den geborenen Salzburger zu den
Ursprüngen der Spezies.
Urgeschichte und Indianer
"Mich hat die Urgeschichte fasziniert, nicht die Antike", verrät der
Farbenzauberer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Wobei auch die
Kulturgeschichte der Indianer die Träume besonders beeinflussten und
ihn dazu bewog, sich mit einer Mexikoreise zur Mayakultur einen
Jugendtraum zu erfüllen.
Die Faszination, die von dieser Kultur ausgeht, von der nur mehr
Fragmente erhalten sind, motivierte Kiefhaber, sich ein Jahr intensiv
mit ihr auseinanderzusetzen. Dabei erlernte er auch das Alphabet des
Volkes, um vor Ort in Stein verewigte Botschaften lesen zu können –
doch: "Als wir uns am Ziel befanden, stellte ich fest, dass dies nicht
mehr die Welt war, die ich gesucht hatte. Für mich haben diese Stätten
alle tot gewirkt, nichts war mehr da von dem Mythos dieses rätselhaften
Volkes", erinnert sich der "Traumfänger".
Sein Interesse fokussierte sich als Folge auf "tote Gegenstände",
deren Aussagen durch die Form der Gestaltung für Fremde schwer
verständlich sind. Doch gelangten die Signale dieser Kultur in sein
Bewusstsein.
"Die Verewigung von Heroen, Göttern auf Stelen, ist etwas, das zu
Neuem anregen könnte", analysiert er seine Erfahrung. Der Blick auf
eine Stele ermöglicht dem Betrachter Einblick in die Seele des von uns
Gegangenen. Die Indianer Nordamerikas glaubten, dass ihr Ahn sie erst
verlassen würde, wenn sein Totem in sich zusammengefallen war.
Die Faszination der Stele entwickelte sich für den Maler zu einer
ganz eigenwilligen Gestaltungs- und Ausdrucksform, durch die neue
Ansichten, Träume, Sinneswelten für den Betrachter zugänglich gemacht
werden. Einen anderen, wenn auch nicht unverwandten Einfluss in seiner
Entwicklung schreibt der Künstler Pablo Picasso zu, der ähnliche Werke
schuf.
Ein Schlüsselerlebnis, dass seine Liebe zu alten Symbolen erklärt,
war der Fund eines keltischen Trichters im Alter von neun Jahren.
"Bestimmte Erlebnisse bleiben im Unterbewusstsein bestehen und
beeinflussen das Schaffen, so auch bei mir", erklärt der Maler.
Als schöpferische Triebfeder bezeichnet der Wahlwiener seinen Drang
immer Neues zu entdecken, um es in seine Arbeit einfließen zu lassen.
Daher eröffnet die Vielfalt seiner Ausdrucksformen eine neue Dimension
des Betrachtens, die besonders für gefühlsbetonte Betrachter zu einer
unvergesslichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich wird.
Dienstag, 27. November 2007