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Adam de Neige. Seamless

Einladung: Adam de Neige. Seamless. 2016

20.05.2016 - 25.06.2016

Startgalerie im Museum auf Abruf, Wien / Österreich

Adam de Neige arbeitet mit teils minimalistischen, teils figurativen Formen und besticht nicht nur ästhetisch, sondern auch durch Bezug zu aktuellen Migrationsbewegungen, globaler Ressourcenverteilung und Hegemonialismus. Gezeigt wird neben neuen Installationen eine Serie von Malereien auf massivem Beton – optisch und inhaltlich eine Verbindung von Kunstgeschichte mit kulturellem Austausch und Kolonialismus. Wie immer bleibt De Neige sparsam in Hinblick auf Bedeutungsebenen und thematische Assoziationen: auch was er in strahlend blauem, reinem Lapislazuli malt, liegt etwas außerhalb der politischen und menschlichen Sphäre....

Menschliche Machtsymbole werden hier durch etwas viel Größeres, nicht Fassbares ersetzt, das sich menschlicher Einflussnahme widersetzt: Wolken am Himmel, die in einem beliebigen Moment bildlich festgehalten werden, aber weder einen greifbaren Wert haben noch der Kontrolle von Mächten oder Staaten unterliegen.

In seinen Bildern setzt Adam de Neige zudem Kontraste ein: die Banalität von tiefblauem Himmel und realistisch gemalten Wolken einerseits, der historische und materielle Wert der strahlenden, echten Lapislazulifarbe andererseits. Unter den Farben ist kräftiges Blau in der Natur am seltensten zu finden. In vielen Kulturen wird Blau deshalb mit dem Besonderen, Elitären assoziiert. BetrachterInnen aus manchen Regionen jedoch können das, was man im Norden bzw. Westen Blau und Grün nennt, visuell nicht unterscheiden – dafür dutzende Grüntöne voneinander, sowohl visuell als auch sprachlich. Wahrnehmungen, Bedeutungen und „Werte“ liegen beim Betrachter – können sie überhaupt kulturspezifisch sein?

Durch die Kombination des „Eigenen“ (Identitätsgebenden) und „Anderen“ (Exotischen) in De Neiges Installationen wird die Reflexion über globale Zusammenhänge angeregt. Die sogenannte Leitkultur als scheinbar homogene Identität wird hinterfragt. Der Künstler tut dies auf die ihm typische, hintergründige, zurückhaltend verspielte Art: In De Neiges Arbeiten herrschen Minimalismus und dezente Mittel, jedoch auch gesellschafts- und kunstkritische Untertöne vor. Unerreichbarer Status und Prestige wirken mitunter aufgesetzt. Der globale Norden hat viele essentielle Kulturtechniken und Ressourcen aus kulturellem/r Austausch oder Unterwerfung gezogen. Ausbeutung bzw. nicht gleichberechtigte Handelsbeziehungen treiben Konflikte, Zerstörung von Lebensgrundlagen und damit weltweite Migration voran.

Adam de Neige zeigt seine Akteure nicht auf plakative oder populistische Art und geht sowohl mit Symbolen als auch Fingerzeigen zurückhaltend um. Wie in seinem bisherigen Schaffen spielt er mit unauffälligen, jedoch überraschenden Details, mit unserer Wahrnehmung und Interpretationsfreiheit.

Mag. Eva-Maria Maurer

[Quelle: www.musa.at]

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last modified at 01.02.2017


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