Zeitschrift
springerin 4/99. Bewegungen
- Österreich, Wien
Verlag: Folio Verlag
deutsch
Herausgeberschaft: springerin. Hefte für Gegenwartskunst
Erwähnung: Marina Gržinic, Georg Schöllhammer, Christian Höller, Krystian Woznicki, Herwig G. Höller, Anette Baldauf, Petra Löffler, Reinhard Braun, Maria Thereza Alves, Marion Schmidt, J.J. King, Dina Iordanova, Noah Chasin
Umfangsangabe: [96] S. : zahlr. Ill. // »Man kann niemals wirklich erschöpfend sagen, wer oder was der/die Andere ist. Wenn man das versucht, läuft man Gefahr, dass das, was man zu sagen hat, zum bloßen Dekor wird.« Trinh T. Minh-ha warnt in einem Gespräch mit Marina Grzinic, das die Titelsektion dieses Heftes eröffnet, vor allgemeinen Schlüssen und vorschnellen Schließungen in der politischen wie kulturellen Debatte um gesellschaftliche Andersheit. Zu oft reduziert man in gegenwärtigen Diskussionen die Positionen minoritärer Subjekte wie Migrantinnen darauf, Symptome eines totalisierenden Raumes zu sein, der vom abstrakten Kapital und der institutionellen Politik strukturiert ist. Auch wir verwenden im Titel dieses Heftes »Bewegungen« eine Metapher des Raumes. Gegen verkürzende Festschreibungen erscheint es uns jedoch notwendig, genauer danach zu fragen, wer wo wann und warum die Grenzen von Räumen des Anderen verschiebt. Daher geht es in diesem Heft um Bewegungen in und zwischen spezifischen Räumen, um Prozesse in denen sich Identitäten konstruieren, um Orte an denen Subjekte sich situieren, darstellen und ein- oder ausgeschlossen finden. Und zwar im Sinn einer kreativen, also aktiven Unterscheidung vieler verschiedener Figuren des Einschlusses oder Ausschlusses, der Adaption oder Verweigerung. Also trifft man in »Bewegungen« zum Beispiel auf unterschiedlichen Wegen durch Belgrad auf ein nicht zu homogenisierendes Geflecht von Motiven, das eine Reduktion der dort geführten Debatten um kulturelle Identität auf Begriffe wie Nation oder Ethnie nicht zulässig erscheinen lässt. Auch der Gebrauch und die Distribution von Medien wie Film und Video oder Fernsehen in disasporischen Communities und deren Einfluss auf die Konstruktion hybrider Identitäten, erscheint vielschichtiger, als dass er sich generalisierend fassen ließe. Um nicht - in einem gerade hierzulande allzu verständlichen Kurzschluss - kulturelle und politische Konfliktfelder allein unter dem Schlagwort Rassismus zu diskutieren, fokussiert »Bewegungen« auch auf geschlechtsspezifische Machtdispositive. Und der Netzteil diskutiert die durchaus auch emanzipativen Potenziale neuer Technologien der Bilderzeugung für die eingangs skizzierten Prozesse. Zum Schluss ein weiteres Zitat aus dem Interview mit Trinh zu ihrem Begriff des »inappropriate/d other« der in ihrer Arbeit als eine Art von Messwerkzeug dient und der doppelt zu verstehen ist: »als jemand, den man nicht vereinnahmen kann, und als jemand unangepasster. Nicht eindeutig anders und nicht eindeutig gleich.« Unbeherrschbar in Bewegung. [Quelle: www.springerin.at/]
- Matthias Dusini: Digital Video im Überflug, 1999
- Matthias Dusini: You can have it, 1999
- Hedwig Saxenhuber: Christian Philipp Müller, 1999
- Patricia Grzonka: The message is made up by the receiver. Das Projekt "SmokkelSchmuggelsmuggle 19992000", 1999
- Yvonne Volkart: Gebaute Träume. Über die Videoinstallation "Shor Hills" von Dorit Margreiter und die Thematik medialer, ortsübergreifender Identitätskonstruktionen, 1999
- Martin Richter: Remember Ansgar, 1999
Dieses Objekt befindet sich im Archiv der basis wien [6.00.SPRIN.016]. Standort 1150 Wien. Kontakt: T +43 (0)1 5226795, office@basis-wien.at
- Interference. Locations in Memory and Time, 01.10.1999 – 30.10.1999, FOTOHOF, Verein zur Förderung der Autorenfotografie, Österreich, Salzburg, David Claerbout (Videoinstallation), Elke Boon (Fotografie), Dirk Braekman (Fotografie)
Archivarische Verzeichnung: