Zeitschrift
springerin 4/15. Kiev, Moscow and Beyond
- Österreich, Wien
Verlag: Folio Verlag
1029-1830
deutsch
Herausgeberschaft: springerin. Hefte für Gegenwartskunst
Erwähnung: Larissa Babij, Wilbirg Brainin-Donnenberg, James Bridle, Lisa Britzger, Cao Fei, Katalin Cseh-Varga, Christian Egger, Maja Fowkes, Rike Frank, Marina Gržinic, Owen Hatherley, Michael Hauffen, Yuki Higashino, Josch Hoenes, Stephen Holmes, Olaf Holzapfel, Christian Höller, Olga Jitlina, Ivan Krastev, Yuri Leiderman, Nanna Lüth, Taus Makhacheva, Gislind Nabakowski, Yves Netzhammer, Yevgen Nikiforov, Barbara Paul, Peter Pomerantsev, Agata Pyzik, Angela Richter, Stefan Römer, Moritz Scheper, Sabine Maria Schmidt, Walter Seidl, Nishant Shah, Marci Shore, Andrej Silvestrov, Haim Sokol, Hito Steyerl, Šefik Tatlic, Nahum Tevet, Franz Thalmair, Wiebke Trunk, Monika Vykoukal, Grant Watson, Asli Çavusoglu
Umfangsangabe: 96 S. : zahlr. Ill.. // Kaum ein Krisenherd hat Europa in den letzten Jahren mehr zu erschüttern begonnen als der russisch-ukrainische Konflikt. Sieht man von den aktuellen Ereignissen in Sachen Flüchtlingspolitik einmal ab, hat sich an der östlichen Außengrenze der Europäischen Union ein desaströses Szenario entwickelt: auf der einen Seite jene, die sich mehr zum offiziellen Europa hingezogen fühlen; auf der anderen jene, die ihre eigenen Gebietsansprüche, koste es, was es wolle, geltend machen. Wie unvereinbar die Lage ist, zeigt allein schon, dass keine Einigkeit in der Wortwahl besteht: Was die einen als Unabhängigkeitsstreben ansehen, wird von der anderen Seite als unilaterale Aggression betrachtet und umgekehrt.
Kaum ein anderer kultureller Zusammenhang ist im Zuge dieser Auseinandersetzung einer derartigen Zerreißprobe ausgesetzt wie jener, der sich, historisch weit zurückreichend, über weite Teile Osteuropas erstreckt: von Kiew über Moskau bis in Regionen weit darüber hinaus. Wiederholte politische Absetz- und Vereinnahmungsbewegungen mit eingeschlossen, herrscht hier eine hochkomplexe Gemengelage vor, in der oftmals bewusst über das zweifellos existierende Moment des Gemeinsamen hinweggegangen, ja dieses aus politisch-ideologischen Gründen negiert wird.
Die Ausgabe Kiev, Moscow and Beyond nimmt die diesjährige (insgesamt zum zweiten Mal stattfindende) Kiew Biennale als Ausgangspunkt, um diesen Kontext kritisch zu reflektieren: Mehr als zwei Jahre in Vorbereitung wurde die Biennale immer wieder aufgrund der Kriegs- und Politwirren verschoben, bis sie Anfang September 2015 – gegen vielerlei Widerstände –eröffnen konnte. The School of Kyiv (http://theschoolofkyiv.org), so der Titel der von Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer kuratierten und gemeinsam mit dem unabhängigen Research-Kollektiv VCRC (Visual Culture Research Centre) organisierten Schau, ist entlang verschiedener Schulen strukturiert und umfasst folgende Schwerpunktthemen: Realismus, Landschaft, Bild und Evidenz, Vertreibung, Einsamkeit, „entführtes“ (abducted) Europa. In all diesen Schulen, die Ausstellungen und Diskursreihen gleichermaßen beinhalten, geht es verbindend um die Frage, wie sich ein gemeinsamer, Differenzen überbrückender Reflexionsraum schaffen und aufrechterhalten lässt. Ein womöglich instabiler, temporärer Raum, der nichtsdestotrotz über die ausgefahrenen Bahnen politisch propagierter Barrieren hinausreicht bzw. sich konstruktiv vom Status quo abhebt.
Die Beiträge dieser Ausgabe wirken aktiv an der Ausgestaltung dieses Diskursraums mit. Da ist zunächst, unumgänglich im vorliegenden Zusammenhang, die Politik Putins, die auf westlicher Seite ebenso große Rätsel aufgibt, wie sie häufig missverstanden wird. Stephen Holmes und Ivan Krastev analysieren Putins Machtgebaren, indem sie ein Moment in die Debatte einbringen, das bislang meist übersehen wurde: Könnte diese Politik, so die zentrale Frage ihres Essays, womöglich daraufhin angelegt sein, das Verhalten des Westens zu spiegeln, ja diesem seine liberale Maske vom Gesicht zu reißen? Wie surreal dieses aggressive Dagegenhalten, das primär auf eine Demontage des „anderen“ abzielt, alltagskulturell unterfüttert ist, legt Marci Shore in ihrem Beitrag dar. Shores ausführliche Besprechung von Peter Pomerantsevs Russlandstudie Nichts ist wahr und alles ist möglich macht deutlich, wie sehr sich die Koordinaten herkömmlicher Politik- und Realitätsverständnisse unter dem Regime Putin zu verändern begonnen haben. „Alles ist PR“, heißt es bei Shore mottohaft, wobei oft nicht klar ist, welche Werbezwecke in dieser abgründigen „Realityshow“, wie Pomerantsev das nennt, genau verfolgt werden.
Über die großräumigeren (politischen und kulturellen) Landschaften Osteuropas räsonieren Owen Hatherley und Agata Pyzik. Etwas weiter ausholend bzw. in die Zeit der Sowjetunion zurückblickend, fragen sie, was aus dem Vermächtnis bzw. der nach 1989 allseits angestrebten Überwindung des Realsozialismus geworden ist. Hatherleys und Pyziks Erläuterungen zeigen aus teils persönlicher Perspektive auf, wie wenig das Erbe der Zeit vor 1989 samt und sonders abgeschüttelt werden kann, dass zugleich aber auch das, was danach kam, schwer zu wünschen übrig ließ. Dass dazu auch die missliche Lage zählt, in der sich die Ukraine und Russland – gerade im Verhältnis zueinander – heute befinden, kommt in weiteren Beiträgen explizit zur Sprache. Yuri Leiderman, aus Odessa stammender Künstler, geht in die Ära vor der Separation zurück und legt dar, was ukrainische und russische KünstlerInnen stets miteinander verbunden und was sie zugleich immer auch voneinander unterschieden hat. Auch Leidermans aktuelle Arbeit, für die Kiew Biennale produziert und hier in Auszügen präsentiert, setzt an diesem Punkt an. Ein künstlerischer Umzug durch Odessa wird darin zum Brennpunkt, an dem sich die politischen und vor allem separatistischen Phantasmagorien der Gegenwart brechen.
Für einen Raum des Gemeinsamen plädieren auch Haim Sokol und Larissa Babij. Sokol, indem er an jene Traumata anknüpft, denen Menschen jüdischer Herkunft sowohl in Russland als auch in der Ukraine stets ausgesetzt waren; Babij, indem sie die Produktionen der ukrainischen Gruppe TanzLaboratorium zum Ausgangspunkt nimmt, um über die wechselseitige Anerkennung unterschiedlicher nationaler oder ethnischer Zugehörigkeiten, und sei es nur auf einer Theaterbühne, zu reflektieren.
Hier wie in den übrigen Beiträgen dieses Hefts verdichtet sich eine Fragestellung, die von der School of Kyiv über die Biennale hinaus ausgeworfen wird und die uns zweifellos weiter beschäftigen wird: nämlich wie ein konstruktiver Dialog zwischen Kunst und Zivilgesellschaft aussehen könnte, im Zuge dessen intellektuelle und künstlerische Austauschprozesse in einem größeren Rahmen wirksam werden könnten. [Quelle: www.springerin.at]
Dieses Objekt befindet sich im Archiv der basis wien [6.00.SPRIN.073]. Standort 1150 Wien. Kontakt: T +43 (0)1 5226795, office@basis-wien.at
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- E.A.T. Experiments in Art and Technology, 25.07.2015 – 01.11.2015, Museum der Moderne Rupertinum, Österreich, Salzburg, Kathy Battista (Kurator/in), Christina Penetsdorfer (Kurator/in)
- Future Light: Pauline Boudry/ Renate Lorenz. LOVING, REPEATING, 11.06.2015 – 04.10.2015, Kunsthalle Wien, Vienna Biennale 2015, Österreich, Wien, Pauline Boudry, Maria Lind (Kurator/in), Renate Lorenz
- Katrina Daschner. DASCHNER, 10.04.2015 – 23.05.2015, Kunstpavillon, Österreich, Innsbruck, Katrina Daschner
- The School of Kyiv. Kyiv Biennial 2015, 08.09.2015 – 01.11.2015, 32 Vozdvyzhenka Arts House, 33 Soshenko Street Art Studios, Closer, Kyiv Art Gallery Lavra, Kyiv Biennial, Kyiv Palace of Children and Youth, Kyiv-Mohyla Academy, Modern Art Research Institute, National Academy of Arts of Ukraine, National Academy of Fine Arts and Architecture, National Art Museum of Ukraine, National Museum of History of Ukraine, National Oleksandr Dovzhenko Centre, Petrivska Garage, The House of Artists, The House of Cinema, The House of Clothes, Visual Culture Research Center, Zabolotny State Scientific Library of Architecture and Construction, Ukraina, Kiev, 32 Vozdvyzhenka Arts House (Veranstaltungsort, veranstaltet), 33 Soshenko Street Art Studios (Veranstaltungsort, veranstaltet), Mathieu Kleyebe Abonnenc , Dan Acostioaei, Mariam Agamyan, Yoeri Albrecht, Pawel Althamer, Halil Altindere, Maayan Amir, Nico Angiuli, Anne Applebaum, Piotr Armianovski, Julia Morandeira Arrizabalaga, Douglas Ashford, Fikret Atay, Larissa Babij, Zbynek Baladrán, Ethel Baraona Pohl, John Barker, Ricardo Basbaum, Pavlo Bedzir, Uta P. Bekaia, Yevgenia Belorusets, Neïl Beloufa, Anatoly Belov, Cara Benedetto , Anca Benera, Franco Berardi, Claudia Bernardi, Mareike Bernien, Florin Bobu, Yosyp Bokshay, Michal Jan Boni, Adalbert Boretskiy, Geta Bratescu, Sergey Bratkov, Robert Breer, Igor Buharov, Ivan Buharov, Oleksandr Burlaka, Maksym Butkevych, Graciela Carnevale, Tamuna Chabashvili, Ana Chaduneli, Tony Chakar, Vasyl Cherepanyn, David Chichkan, Keti Chukhrov, Sebastian Cichocki, Olivier Clochard, Closer (Veranstaltungsort, veranstaltet), Caleb Considine, Danilo Correale, Antonio Cosentino, Alice Creischer, Bojana Cvejic, Josef Dabernig, Anna Daucikova, Cristina David, Yael Davids, Ekaterina Degot, Clémentine Deliss, Maya Deren, Nikita Dhawan, Jane Dickson, Goran Djordjevic, Paolo Do, Ines Doujak, Slavenka Drakulic, Kinga Dunin, Enric Duran, Nick Dyer-Whiteford, Vedran Dzihic, Alexandra A. Ekster, Arnold Estefan, Harun Farocki, Stano Filko, Oksana Forostyna, Silvia Franceschini, Heinz Frank, Carl Henrik Frediksson, Inci Furni, Daniel García Andújar, Till Gathmann, Maciej Gdula, Michaela Geboltsberger, Masha Gessen, Mykola Gluschenko, Dmytro Gorbachov, Sheela Gowda, Dan Graham, Ion Grigorescu, Mykola Grokh, Igor Grubic, Nicolás Guagnini, Juan Pedro Fabra Guemberena, Dimitrij Gutov, Nuria Güell, Ludger Hagedorn, Anna Halberstadt, Abazar A. Bagi Hamid, Rebecca Harms, Lyse Ashton Harris, Owen Hatherley, Louis Henderson, Anke Hennig, Ksenia Hnilitska, James T. Hong, Judith Hopf, Serhiy Hryhoriev, Yaroslav Hrytsak, Adelita Husni-Bey, Mikhail Iampolski, Vladislav Inozemtsev, Dobrynya Ivanov, Oleksandr Ivashyna, Sanja Ivekovic, Myroslav Jahoda, Robert Jelinek, Anna Jermolaewa, Joana Hadjithomas & Khalil Joreige, Ben Judah, Nikita Kadan, Zhanna Kadyrova, Cathrin Kahlweit, Xenia Kalpaktsoglou, Dzamil Kamanger, Taras Kamennoy, Franz Kapfer, Angelina Kariakina, Vlodko Kaufman, William Kentridge, Rahma Khazam, Nina Khodorivska, Lesia Khomenko, Alina Kleytman, Rogier Klomp, Serge Klymko, Lyubov Knorozok, Takuji Kogo, Vitalij Komar, Chris Kondek, Milena Korolczuk, Volodymyr Kostyrko, Taras Kovach, Jirí Kovanda, Grigori Kozintsev, Ivan Krastev, Yustyna Kravchuk, Lesia Kulchynska, Dariia Kuzmych, KwieKulik, Kyiv Art Gallery Lavra (Veranstaltungsort, veranstaltet), Kyiv Palace of Children and Youth (Veranstaltungsort, veranstaltet), Kyiv-Mohyla Academy (Veranstaltungsort, veranstaltet), Ray Langenbach, Leigh Ledare, Claus Leggewie, Denisa Lehocká, Yuri Leiderman, Svitlana Libet, Victoria Lomasko, Serhiy Loznytsia, Matteo Lucchetti, Steven M. Lukes, Helge Lunde, Mikhail Lylov, Artemiy Magun, Taus Makhacheva, Kazimir S. Malevic, Oscar Mangione, Pawel Marczewski, Elke Marhöfer, Svitlana Matviyenko, Tetiana Matychak, Maria Mayerchyk, Niccolo Milanese, John Miller, Mikhail Minakov, Marilyn Minter, Kateryna Mishchenko, Modern Art Research Institute (Veranstaltungsort, veranstaltet), Wangechi Mutu, Daria Mykhailova, Lada Nakonechna, Marina Naprushkina, National Academy of Arts of Ukraine (Veranstaltungsort, veranstaltet), National Academy of Fine Arts and Architecture (Veranstaltungsort, veranstaltet), National Art Museum of Ukraine (Veranstaltungsort, veranstaltet), National Museum of History of Ukraine (Veranstaltungsort, veranstaltet), National Oleksandr Dovzhenko Centre (Veranstaltungsort, veranstaltet), Vasyl Nepyypyvo, Nataliia Neshevets, Yves Netzhammer, Wendelien van Oldenborgh, Boris Ondreicka, Open Group, Paleface, Livia Pancu, Olga Papash, Maria Pavlenko, Peer_Forma Group, Zeyno Pekünlü, Manuel Pelmus, Perpetuum Mobile, Andrea Peto, Petrivska Garage (Veranstaltungsort, veranstaltet), Anatol Petrytsky, Poka-Yio, Martin Pollack, Katha Pollitt, Peter Pomerantsev, Serhiy Popov, Johannes Porsch, Jurko Prochasko, Lesya Prokopenko, Laure Prouvost, Wojciech Przybylski, Agata Pyzik, Tomas Rafa, Vlada Ralko, Shalini Randeria, Vinni Reunov, Mykola Riabchuk, Petro Riaska, Mykola Ridnyi, Walter Robinson, Rodyuk Chekan, Pedro G. Romero, Aura Rosenberg, Kateryna Ruban, Andriy Ryepa, Hedwig Saxenhuber (Kurator/in), Karl Schlögel, Toni Schmale, Kerstin Schrödinger, Georg Schöllhammer (Kurator/in), Mathieu Segers, Ruti Sela, Lina Selander, Petrit Selimi, Karina Sembe, Sewing Cooperative SHVEMY, Vladislav Shapovalov, Jyotirmaya Sharma, Anton Shekhovtsov, Marci Shore, Olga Shparaga, Sergiy Shyshko, Viktor Sidorenko, Andreas Siekmann, Andrej Silvestrov, Joshua Simon, Catarina Simão, Greg Parma Smith, Aleksander Smolar, Sean Snyder, Timothy Snyder, Hanna Sobachko, Felix Sobolev, Haim Sokol, Anna Sorokova, Maria Stepanova, Imogen Stidworthy, Mladen Stilinovic, Joulia Strauss, Volodymyr Sulymenko, TanzLaboratorium, Iza Tarasewicz, Zhenya Tchaikovskaya, The House of Artists (Veranstaltungsort, veranstaltet), The House of Cinema (Veranstaltungsort, veranstaltet), The House of Clothes (Veranstaltungsort, veranstaltet), The Night Movement, The Research Center for Proxy Politics, The Znoba Family, Theatre for Dialogue, Ovidiu Tichindeleanu, Oleg Tistol, Titre Provisoire, Vera Tollmann, Mikhail Tolmachev, Maria Tomak, Milica Tomić, Dmitry Tronov, Maxim Trudolyubov, Ivan Trush, Tzu Nyen Ho, Yulia Vaganova, Ivan Vejvoda, Mieke Verloo, Anton Vidokle, Mathilde Villeneuve, Anna Vinogradova, Visual Culture Research Center (Veranstaltungsort, veranstaltet), Stas Voliazlovsky, Matthew Watson, Tanja Widmann, Dmytrij Wulffius, Alina Yakubenko, Anastasiya Yarovenko, Volodymyr Yermolenko, Young Hae Chang Heavy Industries, Katherine Younger, ZIP group, Oleg Zabava, Zabolotny State Scientific Library of Architecture and Construction (Veranstaltungsort, veranstaltet), Katerina Zacharopoulou, Fyodor Zakharov, Hannes Zebedin, Irina Zherebkina, Yulia Zhuchkova, Tatiana Zhurzhenko, Artur Zmijewski, Miron Zownir, Masha Zrncic, Anna Zvyagintseva, dpr-barcelona, Asli Çavusoglu, Ahmet Ögüt, Katerina Šedá
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