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    Werkobjekt

    Männer

    Urheberschaft: Brigitte Aloise Roth

    Negative s/w // Aktion, Performance: Männer, 22.7.88; Herausragend aus dem insgesamt verkrampften Unterfangen war die erfrischend-zynisch durchstrukturierte Aktion der Fotografin Brigitte L. Roth.
    Von Anfang an skeptisch gegenüber solchen Ausstellungspraktiken entwarf sie ein Konzept, das den Ablauf und das Thema subversiv unterwandern sollte: Bei der ersten Vernissage suchte man/frau in der überfüllte Galerie vergebens ein mehr oder weniger in die breit gefächerte Palette passendes Kunstwerk der Fotografin. Statt dessen ein eingerahmtes, silbernes „WO" Sie selbst erschient am Tatort mit silbernen Schuhen und einem schwarzen Seidenrips-Mantel. Als sie sich dieses entledigte und ihrem Nachbar in die Hand drückte, war nur mehr ihr Bauch mit Silberspray bekleidet. Das dadurch überforderte Vernissage-Publikum reagierte teils betroffen, teils peinlich berührt, angeekelt oder schockiert. Diese Reaktionen werden von der eifrig fotografierenden Brigitte L.Roth festgehalten. Sie macht also sich selbst zum Objekt, wobei sie sich durch ihre Nacktheit so viel Distanz verschafft, um ungehindert weiter arbeiten zu können. Gleichzeitig wird der Objektstatus aber aufgehoben durch das Inszenieren und fotografische Archivieren einer Situation. Die voyeuristischen Blicke der auf Gesicht oder Genitalien gaffenden Menge prallen durch die Kamera zurück.
    Das Männer-Vernissagepublikum im speziellen und die Männer-Gesellschaft im Allgemeinen decouvriert sich durch solche Reaktionen und Blicke selbst. In dieser
    spannungsgeladenen, nur durch das Klicken des Auslösers unterbrochenen Stille ergreift ein Literat die Initiative: Durch die Aktion der Fotografin animiert und inspiriert läßt er ebenfalls die Hüllen fallen und posiert vor und für ihre Kamera.
    Indem er sich nun ihren Blicken und ihrem Objektiv ausliefert, begibt er sich in die Objektrolle, wird durch sein von ihr gesteuertes exhibitionistischen Re-Agieren zu ihrem Produkt. Der Fotografin gelang es also durch das Provozieren einer „intensiven Situation einen freiwilligen und daher lustvollen von ihr ausgehenden Geschlechtertausch bezüglich der Machtfrage zu inszenieren.
    [Quelle: AN.SCHLÄGE 12 – Dezember 88, Autorschaft unbekannt]

    Enthalten in
    Verknüpfte Ausstellungen / Veranstaltungen

    Archivarische Verzeichnung: