Zeitschrift
springerin 3/07. Lernen von ...
- Österreich, Wien
Verlag: Folio Verlag
1029-1830
Band XIII, Heft 3
deutsch
Herausgeberschaft: springerin. Hefte für Gegenwartskunst
Erwähnung: Jochen Becker, Rainer Bellenbaum, Tony Chakar, Christian Egger, Christiane Erharter, Michael Hauffen, Dietrich Heissenbüttel, Kathi Hofer, Villö Huszai, Christian Höller, Christoph Mayer, Susanne Neuburger, Benjamin Paul, Jacques Rancière, Angelika Richter, Irit Rogoff, Charlotte Salomon, Hedwig Saxenhuber, Philip Scheffner, Julia Gwendolin Schneider, Walter Seidl, Nicolas Siepen, Kamen Stoyanov, Franz Thalmair, Yvonne Volkart, Krystian Woznicki, Beti Žerovc
Umfangsangabe: [96] S. : Ill. // Fragen der ästhetischen und transdisziplinären Bildung durchziehen das Kunstfeld auf vielfältige Weise: Welche Wissensformen sind für die Gegenwartskunst maßgeblich? Wie bilden aktuelle Produktionen ihr Publikum? Welche pädagogischen Modelle werden dafür herangezogen? Welche Lernprozesse lassen sich, auch in globaler Hinsicht, von lokal situierten Praktiken anstoßen?
Das Sommerheft widmet sich dem dritten Leitmotiv der documenta 12 – »Was tun?« – und bringt damit eine Auseinandersetzung zum (vorläufigen) Abschluss, die schwerpunktmäßig vor drei Heften begonnen wurde. Waren es zunächst Fragen nach den spezifischen Topografien und ästhetischen Taktiken, die sich im Zuge der heute allgegenwärtigen Rückgriffe auf die Geschichte der Moderne abzeichnen, so gilt das aktuelle Interesse den besonderen Bildungsprozessen, die davon mit angeregt werden. »Lernen von …« meint in dieser Hinsicht mehr als eine beliebig aktualisierbare Rückbezüglichkeit, ja verwehrt sich gegen eine vorschnelle Festschreibung des nachzuholenden oder neu zu verabreichenden Bildungsgutes. Das genaue Objekt dieser Wissensvermittlung bleibt insofern unbestimmt als es stets auch von der Art des Zugriffs mitgeneriert und revaluiert wird.
In demokratiepolitischer Hinsicht lässt sich diese Form der Objektverschiebung bzw. Neugenerierung an vielerlei Symptomen ablesen. Jacques Rancière hat sie als grassierende Demokratieskepsis diagnostiziert, und im Interview legt er dar, welche unerwarteten Wendungen ein Lernen von den »demokratischen Exzessen« der Vergangenheit aktuell nehmen kann. Nicht nur gerät im Zuge dieser Revision jedes emanzipatorische Ansinnen zunehmend in Verruf, sondern es wird auf diese Weise auch jedes ernstzunehmende Politikverständnis sukzessive verabschiedet.
Irit Rogoff überlegt demgegenüber, welche Verschiebung im Begriff der Bildung selbst die gegenwärtigen Verhältnisse nahe legen. Weg von Marktgängigkeit, Verwertbarkeit und Effizienz, hin zu Aspekten wie Zugang, Dringlichkeit und Potenzialität – so nimmt sich Rogoffs Propädeutik einer neuen Wissenslehre in Zeiten instrumentellen Kreativdenkens aus. Indirekte Unterstützung findet sie im Beitrag von Beti Žerovc, die sich mit Ausbildungsprogrammen für KuratorInnen und deren verstärkter neoliberaler Verfasstheit beschäftigt.
Schließlich gehen zahlreiche Beiträge den konkreten Versprechungen eines »Lernens von …« nach. Ob am Beispiel der Debatte um Mahnmale für vergangene und gegenwärtige Kriege (Tony Chakar), des künstlerischen Umgangs mit Nationalsozialismus und Vernichtung (Susanne Neuburger, Hedwig Saxenhuber) oder anhand der Nachwirkungen ehemaliger kulturrevolutionärer Anliegen (Nicolas Siepen, Benjamin Paul, Christa Benzer) – stets schiebt sich die Frage in den Mittelpunkt, welche Form von Aktualisierung und welche spezifische Widerständigkeit der Rückgriff auf die Vergangenheit nach sich zieht.
Damit schließt sich ein thematischer Kreis, ohne dass die Offenheit dieses Lernens zu einem Abschluss gebracht oder seine Fluchtpunkte ein für allemal determiniert wären. [Quelle: www.springerin.at, 03.11.2017]
Dieses Objekt befindet sich im Archiv der basis wien [6.00.SPRIN.045]. Standort 1150 Wien. Kontakt: T +43 (0)1 5226795, office@basis-wien.at
- documenta 12, 16.06.2007 – 23.09.2007, Gloria Kino , Kulturzentrum Schlachthof , Kunsthalle Fridericianum, Neue Galerie Kassel, Schloss Wilhelmshöhe, documenta und Museum Fridericianum gGmbH, documenta-Halle, elBulli, Öffentlicher Raum Kassel, Deutschland, Kassel, España, Roses, J. D. 'Okhai Ojeikere, Sonia Abián, Ferran Adriá, Saâdane Afif, Ai Weiwei, Halil Altindere, Eleanor Antin, Ryoko Aoki, David Aradeon, Ibon Aranberri, Archivo Tucumán Arde, Monika Baer, Maja Bajević, Yael Bartana, Mária Bartuszová, Ricardo Basbaum, Johanna Billing, Cosima von Bonin, Trisha Brown, Roger M. Buergel (Kurator/in), Graciela Carnevale, James Coleman, Alice Creischer, Danica Dakic, Juan Davila, Iole De Freitas, Atul Dodiya, Ines Doujak, Lili Dujourie, Lukas Duwenhögger, Gonzalo Díaz, Harun Farocki, León Ferrari, Peter Friedl, Poul Gernes, Andrea Geyer, Simryn Gill, David Goldblatt, Sheela Gowda, Ion Grigorescu, Dimitrij Gutov, Sharon Hayes, Romuald Hazoumé, Alexander Horwath, Hu Xiaoyuan, Ashley Hunt, Sanja Ivekovic, Luis Jacob, Jorge Mario Jáuregui, Amar Kanwar, Mary Kelly, Belá Kolárová, Abdoulaye Konaté, Bill Kouélany, Jirí Kovanda, Sakarin Krue-On, Zofia Kulik, KwieKulik, Louise Lawler, Zoe Leonard, Lin Yilin, Lee Lozano, Lu Hao, Churchill Madikida, Iñigo Manglano-Ovalle, Kerry James Marshall, Agnes Martin, Mauricio Dias & Walter Riedweg, John McCracken, Nasreen Mohamedi, Andrej Monastyrskij, Olga Neuwirth, Ruth Noack (Kurator/in), Anatoly Osmolovsky, George Osodi, Jorge Oteiza, Annie Pootoogook, Charlotte Posenenske, Kirill Preobrazhensky, Florian Pumhösl, Yvonne Rainer, CK Rajan, Gerhard Richter, Alejandra Riera, Gerwald Rockenschaub, Lotty Rosenfeld, Martha Rosler, Luis Sacilotto, Katya Sander, Mira Schendel, Dierk Schmidt, Georg Schöllhammer, Allan Sekula, Ahlam Shibli, Andreas Siekmann, Nedko Solakov, Jo Spence, Grete Stern, Hito Steyerl, Imogen Stidworthy, Mladen Stilinovic, Jürgen Stollhans, Shooshie Sulaiman, Oumou Sy, Alina Szapocznikow, Atsuko Tanaka, David Thorne, Guy Tillim, Tseng Yu-Chin, Lidwien van de Ven, Simon Wachsmuth, Xie Nanxing, Yan Lei, Zheng Guogu, Artur Zmijewski, Katerina Šedá
- MindFrames. Media Study at Buffalo 1973-1990, 16.12.2006 – 18.03.2007, Zentrum für Kunst und Medientechnologie, ZKM, Deutschland, Karlsruhe, James Blue, Tony Conrad, Hollis Frampton, Gerald O´Grady, Paul Sharits, Steina, Woody Vasulka, Peter Weibel
- Ryan Gander. Short cut through the trees, 09.03.2007 – 10.06.2007, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, MUMOK, Österreich, Wien, Ryan Gander
- Moira Zoitl, Ricarda Denzer, 07.06.2007 – 07.07.2007, Kunsthalle Exnergasse, KEX, Österreich, Wien, Ricarda Denzer, Moira Zoitl
- ___fabrics interseason. Döbling Reform: panier und biobourgeoisie, 19.04.2007 – 16.06.2007, Grazer Kunstverein, Österreich, Graz, ___fabrics interseason
- History Will Repeat Itself, 09.06.2007 – 23.09.2007, Hartware MedienKunstVerein, HMKV, PhoenixHalle, Deutschland, Dortmund, Ant Farm & T.R. Uthco, Inke Arns (Kurator/in), Guy Ben-Ner, Walter Benjamin, Irina Botea, C-Level, Daniela Comani, Jeremy Deller, Rod Dickinson, Nikolai Evreinov, Omer Fast, Katharina Fichtner (Kurator/in), Frédéric Moser/ Philippe Schwinger, Heike Gallmeier, Felix Gmelin, Gabriele Horn (Kurator/in), Pierre Huyghe, Iain Forsyth & Jane Pollard, Evil Knievel, Korpys & Löffler, Zbigniew Libera, Robert Longo, Tom McCarthy, Collier Schorr, Kerry Tribe, Artur Zmijewski
- Peggy Meinfelder. Revision der Produktion, 16.05.2007 – 08.07.2007, Künstlerwerkstatt Lothringerstraße, Deutschland, München, Uli Aigner, Elisabeth Hartung (Kurator/in), Peggy Meinfelder
Archivarische Verzeichnung: