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Im Herbst 1999 entstanden im Einzugsgebiet der großen
Wiener Kunstinstitutionen Secession, Kunsthalle, Generali Foundation und
nicht zuletzt des zukünftigen Museumsquartiers zwei neue Galerienzentren,
die mit Professionalität und Engagement versuchen, für den »ganz normalen
Luxus« - wie es in einer aktuellen Ausstellung hieß - AbnehmerInnen zu
finden.
Kunst und Geld sind ein ungleiches Paar und stets auf der
Suche nach neuen Gründen, den gemeinsamen Haushalt zu rechtfertigen. Egal
ob in Bezug auf den Mythos des Galeristen, wie er etwa die Namen Henry
Kahnweiler oder Leo Castelli umgibt, oder in Bezug auf eine kritische
Betrachtung der wechselseitigen Einflüsse und Bedingungen, wie sie von
Konzept- und KontextkünstlerInnen veranlasst werden, - alle Anläufe, die
Vereinbarkeit oder Unvereinbarkeit von Kunst und ökonomischen Interessen
zu untersuchen, werden stets von Skepsis begleitet. Dass man Kunst auch
kaufen kann, ist dabei längst noch kein allgemeiner Konsens - kann sich
aber vielleicht mit dem selbstbewussten Auftreten neuer GaleristInnen
ändern. »Quite Normal Luxury« ist nicht nur der Titel des in enger
Zusammenarbeit mit BMW entwickelten Projektes von Swetlana Heger und
Plamen Dejanov (Galerie Meyer Kainer), sondern könnte auch als Anstoß für
die BesucherInnen der neuen Galerien im Palais Eschenbach und in der
Schleifmühlgasse gedacht sein: Kunstbesitz als alltäglicher Luxus - jeder
Autobesitz erfordert schließlich mehr Aufwand. Sechs Galerien treten
seit Ende vorigen Jahres an den beiden genannten Orten mit offensiver
Geste auf, eine siebente (Galerie Gabi Senn, gemeinsam mit der im selben
Haus untergebrachten Flat Mountain Press) folgt in Kürze. Bei gemeinsamen
Vernissagen werden nicht nur Beiträge zur aktuellen Kunstdiskussion
präsentiert, sondern auch die aufwändig renovierten Geschäftslokale - ein
»symbolisches Kapital« (Martin Janda) -, deren Aura den BesucherInnen
schmeicheln soll. Informations- und Geschäftsbereich sind meist
voneinander getrennt, aber die Distanz zu den BesucherInnen wird so gering
wie möglich gehalten. Die Betonung liegt auf Vermittlung und Produktion -
bei Christine König steht sogar eine öffentlich zugängliche Bibliothek zur
Verfügung - und rückt damit die Einrichtung Galerie ganz in die Nähe einer
Institution, deren Medium jedoch in erster Linie die Ausstellung bleibt.
Der Termindruck, in Monatsabständen Ausstellungen zu realisieren, ist
groß, aber die Flexibilität der Galerien erlaubt auch Programme, die über
traditionelle Einzelpräsentationen hinausgehen: Christian Philipp Müller
etwa war 1999 mit seiner Recherche »Eine Welt für sich« zu Gast im
Freihausviertel bei Georg Kargl (siehe springerin 4/99), und anlässlich
der politischen Situation in Österreich lädt Martin Janda zur Reflexion
über rechtspopulistische Systeme (»Wider Bild Gegen Wart«, ab 16. März im
Raum aktueller Kunst, Eschenbachgasse 11). Meyer Kainer
(Eschenbachgasse 9) vertreten eine referentielle Kunst, die ein
Kontextverständnis voraussetzt, jedoch keineswegs auf künstlerische
Visualisierungen verzichtet. Im Vorwort zum Katalog »Sharawadgi«
(Baden/Köln 1999) charakterisiert Christian Meyer sein Interesse, das
nicht »abgeschlossenen Entitäten« gilt, sondern »kulturellen Produkten,
die nur in einem komplexen Bezugssystem verschiedener Sphären vorstellbar
sind«. Konzept und Kontext bestimmen demnach auch das Spektrum des
Galerieprogramms. Der Schwerpunkt bei Krobath Wimmer (Eschenbachgasse
9) liegt auf der Förderung eigener Produktionen - etwa in einer aus
wenigen Text- und Objektteilen bestehende Installation von Anita Leisz zur
Eröffnung der Galerie oder Dorit Margreiters persönliche
Auseinandersetzung mit dem Genre Soap Opera (siehe springerin 4/99). Die
Scheu vor lange Zeit als unverkäuflich geltenden Installationen existiert
nicht mehr, selbst wenn sie auf den ersten Blick so sperrig scheinen wie
Jimmie Durhams zertrümmerte Einrichtungsgegenstände in der Galerie König.
Die konsequente Parodie des Künstlers auf das Konsumdiktat und die
Ethnografie bestimmt den Wert der Arbeit (Galerie König, Schleifmühlgasse
1a). Neu auf dem Markt ist Kerstin Engholm (Schleifmühlgasse 3), deren
Programm mit Lois Renner, Constanze Ruhm und Daniel Pflumm angelaufen ist.
Ihre guten Beziehungen zu London und New York wird dem Aufspüren
wegweisender internationaler Strömungen für die Zukunft sicherlich
förderlich sein. Aber die beständige Suche nach neuer, junger Kunst ist
allgemeiner Tenor: Auch Georg Kargl (Schleifmühlgasse 5) durchsetzt sein
sehr profiliertes und arriviertes Programm zwischen gestischer Malerei und
konzeptueller Kunst mit jungen Positionen wie Herbert Hinteregger oder
Gabi Trinkaus beziehunsgweise Gruppenausstellungen, in denen Bekanntes und
Unbekanntes alternieren. Im ersten Bezirk arbeitet die Galerie T19
(Tuchlauben 19) seit Oktober 1998 mit zum Teil in Österreich völlig
unbekannten KünstlerInnen. Dass ihr Programm auf dem österreichischen
Markt dennoch erfolgreich eingeführt wurde, liegt an der Souveränität, mit
der sich die Galeristinnen Alexandra Grubeck und Monika Palzinsky in
internationalen Szenen bewegen, ihre Auswahl treffen und Kooperationen
eingehen. Die im Konzept anvisierte Instabilität von »On The Bubble« etwa
- eine Kooperation mit dem Herausgeber der italienischen Kunstzeitschrift
»Cross«., Luca Cerizza - wurde nicht nur vor Ort subtil umgesetzt, sondern
auch im begleitenden Katalog, der die fragilen Gesten von Simone Berti,
Stefania Galegati und Italo Zuffi festhält. Mitten in der
Mariahilferstraße führte Karin Handlbauer den Ausstellungsraum mezzanin
(Mariahilferstraße 74a) zwei Jahre lang als nicht-kommerzielle Galerie,
zeigte cirka 70 zumeist unbekannte KünstlerInnen und bot ihnen damit oft
die erste Ausstellungsmöglichkeit. Vor kurzem wurde das mezzanin in eine
Galerie umgewidmet. Die Konzentration liegt weiterhin auf österreichischen
KünstlerInnen der jüngsten Generation, was den Ruf der Galerie als
Junge-Szene-Ort und Anlaufstelle für Studierende der Kunstuniversitäten
noch länger wahren wird, das Programm soll jedoch auch international
erweitert werden.
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