Ernst Caramelle in der BAWAG Foundation

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In eine "IMAGE BANK" verwandelt Ernst Caramelle die Wiener BAWAG Foundation, wo ab morgen, Freitag, bis 25. November Arbeiten des wichtigen österreichischen Konzeptkünstlers zu sehen sind. Ein ironischer Ausstellungs-Titel, denn in Wahrheit verweigert Caramelle sich der Schnelligkeit und den Produktionszwängen des Marktes. Seine Raummalereien und "Lichtbilder" sind vielmehr materialisierte Prozesse, Manifestationen von Zeit im Bild.

Caramelle ist nach Gerwald Rockenschaub der zweite Künstler, der eingeladen wurde, ein eigenes Gestaltungskonzept für den oberen Ausstellungsraum der BAWAG Foundation zu entwerfen. Während Rockenschaub im vergangenen Dezember den hinteren, unklar verwinkelten Teil des schlauchartigen Raumes schlicht hinter einem aufblasbaren PVC-Würfel versteckte, interessiert Caramelle sich gerade für die scheinbaren Unwägbarkeiten der Architektur.

Bodenverlauf begradigt

Seine Wandmalereien gleichen aus, setzen Schwerpunkte und Akzente: Den schrägen Bodenverlauf begradigt er mit einem grauen Keil, ein massiver Pfosten wird durch zarte Schattierung zu einem Torbogen, die Wände zu einem dreidimensionalen Gemälde, dessen bunte Rechtecke und Quadrate auf Erker und Vorsprünge reagieren. Ein vergängliches Kunstwerk: Nach dem Ende der Ausstellung wird die Aquarellfarbe wieder übermalt.

Die im Untergeschoss präsentierten "Lichtbilder" entstehen durch Sonneneinstrahlung auf mit Schablonen abgedecktem Buntpapier. Bis zu einem Jahr kann das Verblassen dauern - ein Grund, weshalb es nur wenige dieser Arbeiten gibt. In Wien ist ein gutes Dutzend zu sehen. Die aus abgestuften Farben und Helligkeiten konstruierten geometrischen Flächen wirken wie Räume, deren ausgebleichte Teile in einem geheimnisvollen Negativ-Prozess das Licht gespeichert haben.

Konkreter Poet

Caramelle arbeitet mit den verschiedensten Medien, darunter Fotografie, Video und Skulptur. Auch wenn er vor allem für seine Raumkonzepte bekannt wurde, ist er in erster Linie Zeichner - und dabei "konkreter Poet", der Sprache und Schrift, Wort- und Sinnspiele in seine Bilder integriert. Ein Faktum, das die BAWAG mit der zusätzlichen Präsentation einer Reihe von Publikationen und kleineren grafischen Arbeiten würdigt, darunter auch Caramelles 1979 in New York erschienener Katalog "Forty Found Fakes", in dem er zufällig gefundenes Fotomaterial aus Zeitungen und Zeitschriften als Arbeiten renommierter Künstler ausgab.

"Art is a fake", lautete der Kommentar des 1952 in Tirol geborenen Künstlers zum Kunstbetrieb. Zur Entwicklung der gegenwärtigen Wiener Kunstszene hat Caramelle, der seit 1980 abwechselnd in New York, Frankfurt und Karlsruhe lebt, als Gastprofessor an der Hochschule für angewandte Kunst (1986-1991) wesentlich beigetragen.

Tipp

Ernst Caramelle: "IMAGE BANK", von 7.9. bis 25.11. in der BAWAG Foundation, 1., Tuchlauben 7a. Geöffnet täglich außer 1.11. von 10-18 Uhr.
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