Immer wieder sind Architekten in Tokio
gefordert, ihren Kreativitätsspielraum zu erweitern und winzige, aus
europäischer Perspektive unbebaubare Grundstücke mit architektonischen
Kleinformen zu veredeln. So setzt sich Yoshiharu Tsukamoto, der auch an
der Universität von Tokio lehrt, mit dem von ihm gegründeten Atelier
"Bow-Wow" seit Jahren produktiv mit der Aufgabenstellung Mini-Haus
auseinander.
Auch in der Publikation "les plus petites maisons", in Anspielung an
Corbusier, versucht er, das Phänomen Mini-Haus zu analysieren. Nicht nur
durch Dichte und Kleinheit sind Architekten heutzutage gefordert. Auch die
gesellschaftlichen Veränderungen fordern die Architektur zu neuen
Lösungen.
50 Prozent Singles
Galt das Singledasein früher als vorübergehendes Zwischenstadium, so
lebt heute bereits die Hälfte der Tokioter Bevölkerung als Single und
stellt an den kleinen Wohnraum neue architektonische Anforderungen.
Shinohara setzt in seinen Wohnblöcken für Singles auf den neuen
selbstbewußten Lebensstil. Mit beweglichen Wandschirmen aus Lochplatten,
vergleichbar den traditionellen Bambusvorhängen, werden die Bewegungen der
Bewohner zur lebendigen Fassade. Kommunikation mit der Außenwelt oder
Rückzug, je nach Wunsch.
Ein kleines Haus in Tokio
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| Kleines Haus in Tokio / ©Bild: D.
Ishii |
Für den Walkman Designer von Sony baute Kazuyo Sejima das "kleine" Haus
in Tokio. Von Stockwerk zu Stockwerk variiert der Neigungsgrad der
Außenwände. In weichen Knicken kommuniziert die Fassade mit der Umgebung
und zeigt zugleich, dass es dahinter völlig unterschiedliche Geschosse
geben muss.
Im Inneren wurden vier Zimmer mit unterschiedlicher Höhe und
unterschiedlicher Fläche aufeinandergestapelt. Die Bauherren hatten
verschiedene Wünsche: sie wollten eine Terrasse mit Aussicht auf die
Feuerwerke, einen großen Raum zum Wohnen und essen, Extrazimmer und
Schlafzimmer. Ein paar dutzend Zentimeter Verschiebung von Stockwerk zu
Stockwerk machen sowohl innen als auch außen einen
Riesenunterschied.