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Wien Museum: Lisl Pongers Phantom Fremdes Wien

Ethnographische Spurensuche

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

300 Jahre Wiener Zeitung!Im Rahmen der ersten, von Direktor Wolfgang Kos selbst (mit der Initiative Minderheiten und der Gruppe gang art) initiierten Ausstellung: "Gastarbajteri 40 Jahre Arbeitsmigration" bis 11. April im Wien Museum, in der Hauptbücherei Wien am Gürtel und dem Filmarchiv Austria, ist am Karlsplatz ein Teil der Sonderschau im Erdgeschoss Lisl Pongers 1991/92 gefilmtem, 2004 überarbeitetem künstlerischen Filmprojekt "Phantom Fremdes Wien" gewidmet.
Aus einer von innen durchsichtigen Blackbox mit Blick auf die Filme und nach außen in die komplexe Schau verschiedenster Gruppen kann die multikulturelle Szene Wiens visuell und durch den tagebuchartigen, von der Künstlerin selbst gesprochenen Kommentar in seinen abwechslungsreichen Varianten wahrgenommen werden. Das heißt, die Super-8-Filme zeigen in oft schnell wechselnden Sequenzen Feste wie Hochzeiten oder Zusammenkünfte in Vereinen oder Lokalen der Inder, Türken, Chinesen, Afrikaner usw., aber auch Schulen, Tänze im Konzerthaus, politische Veranstaltungen, rituelle Feierlichkeiten, Treffen in Clubs. Es wird musiziert, und die verschiedenen Sprachen, Musikstile, Kleider und Schmuck könnten, ohne den oft das Medium Film (bei diesem Thema) selbsthinterfragenden Text, leicht in kolonialistische Alt-Exotik-Gefilde geraten.
Genau dies vermag die Künstlerin mit ihrem diskursiven Text zu verhindern - ähnlich ihren Diashows ist die zuweilen sogar gestörte Korrespondenz zwischen Bild und Sprache der Grund, warum keine "karnevaleske" Stimmung aufkommt. Die kritische Selbsthinterfragung und das Abschweifen spricht viele Probleme im Umgang mit ethnischen Fragen an. Interessant ist auch die Distanz zu den Aufnahmen von über einem Jahrzehnt, denn auch darin liegen Fragen zu all dem, was wir heute sehen.
"Was sehe ich eigentlich?" fragt die Künstlerin auch uns in kontextueller Überarbeitung ihres Blicks von damals in Zeiten eines verschärften Asylgesetzes. Am Weg zur dunklen Glasbox sind die Stills zu sehen und im Wieser-Verlag Klagenfurt erschien das Projekt im kleinen, schmalen Buchformat. Darin kann man auch über die Vermeidung scharfer und fokussierter Bilder durch die Wahl des Super-8-Films lesen; denn jene zeigen sich als Stereotypen westlicher Kultur. Fragen der Wahrnehmung sind hier eingeschlossen, die nach außen auf den Rest der Gastarbeiter-Ausstellung und die Interventionen mit Hinweisen auf Migration zu den Exponaten im ganzen Museum (z. B. Angelo Soliman) Verbindungen herstellen.

Erschienen am: 30.03.2004

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