Habemus artfair. Wir haben eine internationale Kunstmesse in Österreich. Erstmals. Noch ein paar Straffungen in der heimischen Galerien-Auswahl, noch ein wenig weniger Platzhirschengeröhre, was so viel Konstruktives verhindert – dann wird auch die Viennafair nicht nur laufen, sondern einmal sogar gehobenen Hauptes aus der Nische stolzieren.
Vor allem dank einer Entscheidung: des unverwechselbaren Schwerpunkts auf Kunst aus Osteuropa. Derart werden nicht nur austauschbare Händlerprogramme mit den ewig gleichen halbgroßen Namen abgespult, sondern es können junge Sammler aus einem ähnlich jungen Programm individualistisch wählen. Wenn sie kommen.
Denn neue Kunst kann anderswo als Massenprogramm gefeiert werden. In Österreich ist sie das, trotz aller gegenteiliger Beteuerungen, nicht. Noch immer ist hier etwa die Schwellenangst vor der „Galerie“ eine überraschend festsitzende Phobie, die von so ungefähr auch nicht kommen kann.
Nur, woher stammt diese Verbissenheit, die bei einem Teil der erfahreneren Galeristen-Generation zu spüren ist? Falls es überhaupt eine allgemeine Erklärung dafür gibt, liegt sie wohl in den kargen Zeiten begraben, die diese Kämpfer und Kämpferinnen im grauen Wien und Österreich der späten Nachkriegszeit durchzustehen hatten.
Wer erst jahrelang über
zeitgenössische Kunst informieren musste, bis irgendwer zu akzeptieren
und danach auch endlich einmal zu investieren begann, der teilt wohl
nicht gerne. Weder Künstler noch Aufmerksamkeit.
Trotzdem. Gegen
eine derart kommerzige Billigsdorfer-Atmosphäre, wie es der neueste
Trend zum Kunst-Diskonter mit sich bringt, den selbst mäßigste Kunst
nicht verdient, sind Kunstmessen immer noch lichte Kathedralen der
Wahrheit. Mit Kojen als Beichtstühlen, verschwiegenen Missionaren am
Gitter und direktem Draht nach „oben“, zu den Künstlern. Und der
Erlagschein kommt auch mit der Post.
almuth.spiegler@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2007)
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