
Albertina-Direktor nimmt nach scharfer Kritik Stellung.

Schröder: "Verheerende Politik hat Museen gegeneinander aufgehetzt."
Wien.
Wer am Dienstag die Zeitungen aufschlug, meinte Zeuge eines
koordinierten Angriffs zu werden: Sowohl "Die Presse" als auch "Der
Standard" begannen ihren Kulturteil mit einem umfangreichen Interview,
in dem Mumok-Chef Edelbert Köb Dampf ablässt – gegen Albertina-Direktor
Klaus Albrecht Schröder.
Und dem wird ein gerüttelt Maß an
Egozentrik und Bombastik vorgeworfen: Schröder versuche, aus der
Grafischen Sammlung Albertina ein "Universalmuseum" zu machen, doch
besitze statt eines kompletten Korpus nur einen "Torso mit Prothesen" –
eine Anspielung auf die Sammlung Batliner, die die Albertina als
Leihgabe bekommen hat. Wie Köb behauptet, würde der Erhalt dieser
Sammlung über zehn Jahre ungefähr sechs Millionen Euro kosten. Ein
Betrag, um den man "sechs schöne Arbeiten Klassischer Moderne fürs
Mumok kaufen" könnte, die Österreich auf Dauer bleiben.
Weil Schröder "der Größte sein will", befürwortet Köb eine Fusion
von Albertina und Kunsthistorischem Museum (KHM) – unter Schröders
Ägide. Im Zuge dessen könnten einige Albertina-Grafiken an das Mumok
übergehen.
"Museen zerstückelt"
Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" geht Schröder nun zum
Gegenangriff über – aber nicht auf den Kollegen, sondern den Bund.
Durch eine "verheerende Museumspolitik" seien die Häuser gegeneinander
aufgehetzt worden. "Jeder ist des anderen Wolf", und dieser
"Kriegszustand" müsse beendet werden.
Der Hintergrund: Kulturministerin Claudia Schmied hat eine
Neugestaltung der heimischen Museumslandschaft angekündigt, die bis
Jahresende feststehen soll. In diesen Planungsprozess sind zwar
Experten eingebunden, laut Schröders Klage aber nicht die betroffenen
Direktoren. "Die Museen werden zerstückelt und neu zusammengesetzt –
mit Experten, die wir nicht kennen". So versuche nun jeder Direktor,
"ein möglichst großes Filetstück herauszureißen".
"Kein Öl ins Feuer"
Dass seine Kritik auch damit zu tun haben könnte, dass die Albertina
– im Gegensatz zu anderen Bundesmuseen – keine zusätzlichen
Budgetmittel für 2008 erhält, wie am Montag bekannt wurde, verneint
Schröder. Das sei lediglich "eine Enttäuschung" gewesen. Er will nicht
"beleidigt reagieren", indem er Ausstellungen absetze.
Zu den Anschuldigungen Köbs, mit dem Schröder ein "ausgezeichnetes
Verhältnis" verband, will der Albertina-Direktor nicht Stellung
beziehen. Zwar habe er am Dienstagvormittag einen Brief geschrieben,
diesen aber wieder zerrissen. "Ich will kein Öl ins Feuer gießen."
Mittwoch, 05. September 2007