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Palais Harrach: Sammlung Infeld und Art Cuts

Lob der Geschmacksvielfalt

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

300 Jahre Wiener Zeitung!Bis 26. Juni ist im Palais Harrach mit "Sammlung Infeld - Einblicke und Andy Warhol Sonderschau" und "Art Cuts - Bildsequenzen zeitgenössischer KünstlerInnen" die bunte Mischung persönlicher Sammelleidenschaft und einer von Carl Aigner kuratierten Auswahl junger VertreterInnen der Galerie Hilger zu finden. Die Schau ist die dritte der Sammlung Infeld, die ersten beiden wurden 1998/99 in der Burgenländischen Landesgalerie in Eisenstadt gezeigt.
Peter Infeld, österreichischer Hersteller von Saiten für Musikinstrumente und Tenor, und seine Mutter begannen 1965 Kunstwerke zu sammeln: damals war die Wiener Schule des Phantastischen Realismus und die Art-brut eines Schröder-Sonnenstern nebst der amerikanischen Pop-Art hoch in Mode. Daher besitzt der Fabrikant vor allem diese drei Strömungen, die er später durch Naive aus dem ehemaligen Jugoslawien und einige Einzelstücke von Pichler, Rainer oder Hrdlicka ergänzte. Seine Auswahl zeigt die Seele wie die Pole einer persönlichen Leidenschaft, die mit Gütersloh, Hundertwasser und frühen Fuchs-Zeichnungen, Hausners "Adam Massiv" und sehr frühen großen Aquarellblättern von Hutter eine besondere Auswahl dieser nie als Gruppe vorhandenen Malern besitzt. "Bäume und Drachen" oder "Pflanzenballett" aus der dem Art Club nahestehenden Zeit Hutters haben hohe Qualitäten.
Die Abteilung der Art-brut- Künstler, vor allem das meiste, was es von Schröder-Sonnenstern gibt und ein Wölffli, dazu die erstaunlich exkulsiven, teils seltsam träumerischen Naiven aus Ex-Jugoslawien ist speziell; daneben passend Hauser und Walla aus Gugging. Auch vom früh verstorbenen Sohn des Psychiaters Leo Navratil, Walter, besitzt Infeld wichtiger Werke wie "Im Garten". Passend dazu eine große Anzahl von Werken der (auch nie wirklichen) Gruppe "Wirklichkeiten", allerdings ohne Martha Jungwirth und Robert Zeppel-Sperl. Dafür tauchen als Zeichner Walter Pichler, Alfred Hrdlicka und der papierreißende Tone Fink sowie Hans Staudacher auf. Arnulf Rainer gibt es von den erstaunlich surrealen frühen zwei Blättern bis zu Übermalungen von Grafiken der Gugginger.
Im Piano nobile des Harrach reihen sich an Infelds Druckgrafiken von Warhol-Promis sowie "Cowboys and Indians" 16 zumeist in Wien lebende KünstlerInnen von Daryoush Asgar, Oliver Dorfer, Thomas Jocher über Hubert Lobnig, Willi Kopf, Fritz Ruprechter bis Rainer Wölzl und Leo Zogmayer, dazu fünf Künstlerinnen: Berenice Darrer, Sieglind Gabriel, Ulrike Stubenböck, Heidrun Widmoser und Gerhild Zeilner mit teils neuer Malerei, Skulptur oder Fotografie - die gängige Mischung einiger schon Arrivierter mit der jüngsten Generation.
Auffallend ist Zogmayers Bodenintervention bezogen auf das Palais, die Porträts der Zeilner, die frechen Waldeparaphrasen der Darrer und Dorfers neue Bildserie, die wie gestempelt wirkt, aber auch Wölzls monumentale malerische Reaktion auf Krieg und Gewalt mit Hilfe der barock-hellenistischen Formen des Pergamonfrieses. Jocher malt Hitler und stellt ihn einer trompe l'oeil-haft gepinselten Wurst und anderen Nebensächlichkeiten gegenüber, nicht wenig spekulativ, aber auch monumental.

Erschienen am: 06.06.2003

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