Glauben? Die meisten Künstler tun das nicht. Außer an sich selbst. Eine Ausnahme scheinen dabei die Verfechter der Monochromie zu bilden. Yves Klein (Blau) pilgerte etwa ins Kloster der Heiligen Rita nach Cascia, Italien, was ein von ihm angefertigtes Ex-Voto belegt, das dort erst vor wenigen Jahren nach einem Erdbeben gefunden wurde.
Und Kasimir Malewitsch (Schwarz) glaubte zumindest an etwas Höheres als das Sichtbare, an den von ihm gegründeten Suprematismus. Das Ziel seines „Schwarzen Quadrats“ beschrieb er mit der Darstellung der „Empfindung der Gegenstandslosigkeit“. Nicht die der Leere, des Nichts.
Für nichts anderes als das Nichts aber steht für den deutschen Künstler Gregor Schneider die Farbe Schwarz. Und nichts Höheres als das Vorhandene will er mit seinem schwarzen Kubus ausdrücken, den er in Hamburg aufgebaut hat. Im Gegenteil, sogar ein ziemlich genaues Abbild der Kaaba in Mekka will er sich machen. Verboten ist das nicht einmal im Islam. Also blieb der zumindest in Berlin und Venedig erwartete Skandal aus, wo die Aufstellung des Kubus 2005 und 2006 verboten wurde.
In
Hamburg hatte Schneider zuvor sogar das Gespräch mit der muslimischen
Gemeinde gefunden. Jetzt darf er die optische und physische Wirkung
dieses quadratischen Lochs im Raum völlig unbedroht erforschen.
Orientierungslosigkeit
und Desinteresse. Dieser schlappe Zeitgeist scheint Kunst und Religion
zu verbinden. „Anything goes“, sagt die Postmoderne. Und dieses
Versprechen hätte uns eigentlich auch grenzenlose Freiheit bringen
können. Das Gegenteil scheint der Fall. Im religiösen Bereich führt
diese Haltlosigkeit zu einem Zulauf bei strengen, konservativen
Glaubensrichtungen. In der Kunst zieht sich die Avantgarde zurück. Ein
Insidertum wird gepflegt, ein Koordinatensystem aus Selbstbezügen
aufgebaut. Akzeptiert wird nur noch, wer eingeweiht ist. Oder zahlt.
almuth.spiegler@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2007)
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