Textarchiv OÖNachrichten www.nachrichten.at/archiv
vom 29.05.2007 - Seite 011
TODESFALL: Der deutsche Künstler Jörg Immendorff

Sex, Drogen und Malerei

Der deutsche Künstler Jörg Immendorff (61) ist gestern gestorben. Er litt an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS, die im Verlauf weniger Jahre zu einer fortschreitenden Lähmung des gesamten Körpers führt. Immendorff zählte zu den bekanntesten Malern im Nachkriegsdeutschland. Insbesondere mit dem Zyklus "Café Deutschland" aus den späten 70er Jahren, in dem er die Teilung des Landes anprangerte, eroberte sich der ehemalige Maoist einen Platz in der jüngeren Kunstgeschichte. Durch einen Sex- und Rauschgiftskandal im Jahr 2003 wurde der Beuys-Schüler auch außerhalb der Kunstszene bekannt.

Seine erste große Retrospektive hatte er erst 1996 im Kunstmuseum Wolfsburg; in den 80er Jahren nahm er an der documenta teil. Immendorff war Träger des weltweit höchstdotierten Marco-Kunstpreises (250.000 Dollar).

Mit seiner Krankheit ging der Künstler in den letzten Jahren ganz offen um. Er stiftete Geld für ein ALS-Forschungsstipendium und bekannte sich öffentlich zu seinen "Angstschüben" angesichts eines qualvollen Endes.

Jörg Immendorff Foto: Reuters


© Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf.