Das Pariser Musée d’art moderne zeigt die bisher größte Einzelausstellung der Wiener Künstlergruppe Gelitin
Eine wuchernde Wunderkammer
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Auch so lässt sich die Venus von Botticelli (M.) zitieren.
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Die Werke von Gelitin schaffen eigene Referenzen zur Kunstgeschichte. Fotos: Lehner
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Von WZ-Korrespondentin Birgit Lehner aus Paris
Das Pariser Musée d’art moderne zeigt bis 20.
April die bisher größte Einzelausstellung der Wiener Künstlergruppe
Gelitin. Es ist, als hätten Wolfgang Gantner, Florian Reither, Tobias
Urban und Ali Janka – der Kern des flexibel expandierenden Kollektivs –
mit einem Dutzend Kollegen das Museum moderner Kunst im Vorfeld in eine
Riesenausgabe ihres 2005 in New York präsentierten "Tantamounters"
umfunktioniert, eine Art menschliche 3D-Kopiermaschine.
Damals produzierten Gelitin in einem in der Galerie Leo Koenig
installierten Container-Labor von beliebigen Objekten Kopien mit
künstlerischem Mehrwert. "La Louvre – Paris" ist nun quasi ein ganzes
"kopiertes" Museum im Museum, bestückt mit über 3000 neuen und älteren
eigenen Exponaten, ein überbordender Kosmos zwischen wild wuchernder
Wunder- und Rumpelkammer mit Referenzen an weltberühmte Meisterwerke
wie an das eigene Schaffen.
Eine mit fotografierten Fäkalien-Buchstaben beklebte "Kakabet"-Wand
führt in eine lichte Ruinenlandschaft mit Säulen, Mauerdurchbrüchen und
antiken Vasen aus mit Karamell glasiertem Karton oder Pressspanplatten,
hängenden Klopapierbahnen oder Spannteppichrollen. Installationen,
textile Schmunzelmonster, Zeichnungen, Fotografien (etwa die
"Ständerbilder" der Künstler mit erigiertem Glied), Skulpturen wie ein
überdimensionierter "Käsefuß" oder Rodins aus grünen Mülltonnen
eingeschmolzener "Balzac" sowie eine ganze Serie von Mona Lisas –
kubistisch oder auch mit Hitlerbärtchen – geleiten schließlich in eine
"Pinakothek". Dort finden sich zahllose Blümchenbildern aus Plastilin
sowie Botticellis in einen Bottich gesteckte Venus aus Knetmasse, die
sich Wasser aus dem Busen drückt. Die museale Infrastruktur erstreckt
sich vom Spind bis zum Kabinenklo, in dem man sich mittels
Spiegelreflexvorrichtung selbst beim Stuhlgang zuschauen kann.
Kacke, Karamell und Klopapier
Gelitin haben sich den Louvre buchstäblich einver-leibt. "Kacke,
Karamell oder Klopapier interessiert uns nur als Material", erklärt
Tobias Urban, "wir denken visuell." Es gehe Gelitin nicht um
Provokation, Ironie oder Kritik, betont auch die Initiatorin und
Kuratorin der Schau, die Österreicherin Julia Garimorth, sondern um
einen ursprünglich-sinnlichen Gestus kindlicher Kreativität jenseits
von Scham und Tabus.
"La Louvre – Paris" ist derzeit sicher der größte Spaß in der Stadt.
Die Stadtregierung verstand unmittelbar vor den Kommunalwahlen
allerdings weniger Spaß. Das Ausstellungsplakat – eine Dragqueen mit
auf die Knie verrutschtem Slip, Joy-Toy und "Mona Lisa"-Einkaufsbag –
durfte nicht affichiert werden. Louvre-Direktor Henri Loyrette hingegen
zeigte sich bei der Eröffnung der Ausstellung begeistert und schlug
gleich ein Kombiticket für "Le Louvre" und "La Louvre" vor.
Gelitin
La Louvre – Paris
Julia Garimorth (Kuratorin)
Paris, Musée d’art moderne
Bis 20. April
Dienstag, 04. März 2008
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