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Art Austria: Nabelschau, endlich!

14.05.2008 | 18:34 | ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Die neue Kunstmesse im Museumsquartier legt einen eleganten, vielversprechenden Start hin.

Es gibt eigentlich nur zwei Dinge, die man der neuen, strikt auf österreichische Kunst zwischen 1920 und 1980 begrenzten Kunstmesse „Art Austria“ vorwerfen kann: Dass sie nicht ihre Regeln bricht und sich bis ins Heute vorwagt, und dass sie ihre Regeln nicht verschärft, indem sie die ursprüngliche Intention, pro Stand immer nur drei Künstler präsentieren zu lassen, wieder aufnimmt. So könnten sich Kleinteiligkeit und Beliebigkeit gar nicht erst einschleichen. Und zusätzlich zur expliziten Würdigung einer „Urhebergeneration“, die sich aufgrund des nach Neuem gierenden Kunstmarkts immer öfter nur im Sekundärmarkt vertreten findet, könnte im Idealfall sogar ein zumindest temporärer Überblick über österreichische Kunst möglich werden, den in Wien kein Museum zu geben vermag.

Womit man schon mittendrin wäre in der stillen Begeisterung, die einen angesichts der Kojenflucht erfassen kann, die sich in elegantem Beige in den ehemaligen Hofstallungen und einem schicken Zelt vor dem MQ erstreckt: Mit Heimatdünkel hat diese „Art Austria“ wenig zu tun; sie lädt eher ein zur durchaus stolzen Schatzsuche in der österreichischen Kunstgeschichte, die viele, vor allem auch jüngere Sammler suchen – aber zu wenig kennen und finden. Was für das Selbstverständnis einer so ersehnten, starken künftigen Sammlergeneration aber wesentlich wäre. Denn, frei nach Baudrillard, als Erstes sammelt man immer sich selbst.

Am direktesten lässt sich das bei der Fotografie nachvollziehen, wo laut Galerist Johannes Faber bei der Vernissage vor allem nach Inhalt, nicht nach Namen gekauft wurde – etwa Porträts berühmter Österreicher von Trude Fleischmann. Seine Investitionen, so Wiens verdienter Fotogalerist, habe er jedenfalls schon wieder herinnen.


Pop von Weiler und Prachensky

Überhaupt dominierten am ersten Tag zufriedene Gesichter, nicht nur bei Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel, der sich vor zwei Boeckl-Gemälden der Galerie Maier fotografieren ließ – zur Abwechslung nicht vor Werken seines Lieblingsmalers Max Weiler, von dem „Wienerroither & Kohlbacher“ nahezu schrill-poppige Papierarbeiten mit Loch und buntem Papier zeigen. Fast schon Pop ist auch Prachenskys „Pink on White“ von 1969, dem Maler gilt eine Einzelschau bei Thoman (20–120.000€). Eine weitere, traurigere, ist bei Exner zu sehen: Es ist die letzte, die Josef Mikl vor seinem Tod Ende März zusammenstellte.

Gerne folgt man roten Punkten zu frühen, im Hinblick aufs Hauptwerk bereits verräterischen Ölbildern Heimo Zobernigs, die Julius Hummel an einen Privaten verkaufen konnte, nicht an ein Museum – „wir sind ja in Wien“. Beim Wiener-Kinetismus-Spezialisten Pabst fand Max Oppenheimers Lithografie „Rosé Quartett“ von 1920 Anklang, Erika-Giovanna Kliens Aquarell der New Yorker U-Bahnstation „Queensboro Plaza“ wartet noch (rund 30.000 €). Ebenso wie Kokoschkas Gemälde „Herkules bei Rapallo“ beim Kunsthandel Hieke, das ein Jahr vor der Flucht des Malers nach Prag, 1933, entstand (rund 500.000 €). Eine Entdeckung, vor allem für Anthroposophen, sind dagegen die bunten Landschaften der Malerin Lydia von Spallart (7–15.000 €).

Bruno Gironcolis verschlüsselte Werke gehen weniger direkt auf den Betrachter zu: Krinzinger zeigt eine ganz Tonne davon (siehe Abb.) um 240.000 €. Und eine 80-Stück-Edition von fünf Blättern aus 1969 um 4500 €.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2008)


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