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Versuche über das Handeln

MARTIN BEHR GrAZ (SN). Springt sie oder springt sie nicht? Die Frau hoch oben auf dem Sprungturm ist unschlüssig. In ihrem Video „Where She is At“ zeigt die schwedische Künstlerin Johanna Billing nicht den inneren Kampf eines Gastes im funktionalistischen Ambiente des 1934 gebauten Ingierstrand-Bads in Oslo. Das Abwarten, das Zögern der Frau auf dem vom Abbruch bedrohten Monument funktionalistischer Architektur ist einer der Höhepunkte der im Grazer Kunstverein gezeigten Billing-Ausstellung „Movin in, five films“.Kurzgeschichten via Video Es sind vornehmlich sinnlich wahrnehmbare Kurzgeschichten zum Thema Handlungsfähigkeit, die Johanna Billing in ihren Filmen und Videos erzählt. Die 37-jährige Konzeptkünstlerin lotet etwa in „I’m Lost Without Your Rhythm“ aus, was zeitgenössischer Tanz sein kann, wo und wie Bewegung im Alltag inszeniert zu werden vermag. In „Project For A Revolution“ wiederum stellt Billing – aufbauend auf eine Szene in Antonionis Film „Zabriskie Point“ – die Frage, ob revolutionäres Handeln in der Gegenwart überhaupt noch möglich ist. Viel Schweigen und Untätigkeit statt Aktivität und Spannung. Widerstand war anscheinend gestern: Die Künstlerin zeigt die Dominanz der Langeweile im Kollektiv.

Mit der Ausstellung von Johanna Billing hat der 1986 von Peter Pakesch begründete Grazer Kunstverein die neuen Räume im Palais Trauttmansdorff bezogen. Nach einem Intermezzo im Palais Thinnfeld stehen dem Kunstvereinsleiter Soren Grammel nun vielseitig nutzbare Räume an einem seit Jahren schlecht eingespielten, weil kaum frequentierten Ort im Grazer Zentrum zur Verfügung.

Zeitgleich mit Billing präsentiert Grammel Arbeiten der 26-jährigen Belgierin Sara Deraedt, die noch deutlicher als Billing konzeptiv arbeitet, mit ästhetischen Normen und Fixpunkten des Alltags subtile Spiele treibt. In ihren Arbeiten hantiert sie mit formalen Elementen wie dem Poster, dem Prospekt oder der Broschüre, wobei vorgefundene Bilder verändert und umgedeutet werden. Durch Ausschnitte oder Weglassungen erscheint Bekanntes plötzlich fremd. (Bis 30. April)

Kultur / 30.03.2010 30.03.2010 / Print

 
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