Kunst aus Leidenschaft

Je näher die EU-Osterweiterung rückt, desto mehr wächst auch in Österreich das Interesse für das Kulturgeschehen in den Beitrittsländern.


Bratislava ist nur 60 km von Wien entfernt, aber kaum ein Wiener weiß etwas über den dortigen Kulturbetrieb - als ob die Slowakei ein anderer Planet wäre. Dabei hat sich seit der Wende in diesem Land eine lebendige junge Kunstszene entwickelt, die sich allerdings weitgehend auf die Hauptstadt konzentriert. Anna Soucek, die Wiener Kuratorin tschechischer Herkunft, die gemeinsam mit Henny Liebhart-Ulm die Ausstellung "Stadt in Sicht" konzipiert hat, spricht von einem starken kulturellen Stadt-Land-Gefälle in der Slowakei.

Künstler als Nebenjob

"Wer etwas mit Kunst zu tun hat, wird irgendwann in Bratislava landen oder zumindest dort anfangen, weil es dort eine sehr gute Kunstakademie gibt. Die meisten leben auch dort, weil außerhalb der Hauptstadt sehr wenig los ist", sagt Soucek.

Selbst in Bratislava arbeiten die Künstler aber unter schwierigen Bedingungen. Es ist noch viel weniger als hier zu Lande möglich, allein von der Kunst zu leben. Die meisten der jetzt in Wien ausgestellten Künstler arbeiten zusätzlich als Grafiker oder in der Werbebranche, oder sie unterrichten.

Keine Subventionen

Die Stadt Bratislava subventioniert den dortigen aktuellen Kunstbetrieb praktisch gar nicht, der slowakische Staat tut dies erst ansatzweise. Und anders als etwa in Budapest oder Prag gibt es noch kaum einen Markt für zeitgenössische Kunst. Die wenigen einschlägigen Galerien und Präsentationsräume (z.B. Galeria Priestor, Burizon) werden auf eigene Kosten von kunstbegeisterten Idealisten betrieben.

Langsame Annäherung

Einige der jungen Künstler beginnen allerdings im Ausland zu reüssieren, wie etwa Erik Binder, der auch im Verbund einer Künstlerplattform namens "Kunst Fu" agiert.

"Kunst Fu" wird die Slowakei heuer auf der Biennale in Venedig vertreten. Erik Binder hat unter anderem schon in Graz ausgestellt - und freut sich, "dass es in letzter Zeit auch verstärkt zu Kontakten mit Kollegen aus der Wiener Szene gekommen ist, was noch vor zwei Jahren überhaupt nicht der Fall war".

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