| Salzburger Nachrichten am 11. Oktober 2005 - Bereich: Kultur
Drei Damen in New York Drei kritische und
kompromisslose Künstlerinnen aus Österreich haben Installationen über die
"Macht der Sprache" geschaffen.
DEREK WEBERNEW YORK (SN). Das Austrian Cultural Forum in New York ist
mit seinem schmalen Gebäude in der 52. Straße eine in dieser
vielbeschäftigten und schnellen Metropole sehr wohl wahrgenommene
Institution. Was dort passiert, ist davon mit der Aura einer gewissen
Wichtigkeit behaftet. Ende der Vorwoche wurde die Ausstellung "Die Macht
der Sprache - Bild-Text-Ton" eröffnet. Diese untersucht die Macht dreier
verschiedener Sprachen und zitiert dafür drei Künstlerinnen aus
Österreich: die Komponistin Olga Neuwirth, die Schriftstellerin Elfriede
Jelinek und Valie Export für den Bereich des Bildes und des Visuellen. Für die Kuratorin Barbara Wally, die Leiterin der Internationalen
Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg, ging es auch darum,
Künstlerinnen vorzustellen, die sich persönlich kennen und die auf die
Arbeiten der Kolleginnen in ihrem eigenen Medium reagieren. Die Ausstellung präsentiert sich im österreichischen Kulturforum als
eine Installation in allen verfügbaren Räumen. Durch die eingezwängte Lage
des Hauses ergibt sich eine räumliche Infrastruktur, die - je nach
Standpunkt - Restriktion oder Herausforderung darstellt. Die Räume in den
verschiedenen, der Öffentlichkeit zugänglichen Stockwerken sind weder groß
noch einfach quadratnah strukturiert. Sie sind sperrig zu bespielen und
erfordern daher fantasievolle Lösungen. Barbara Wally hat das gemeinsame
Werk der drei Künstlerinnen daher in getrennte Bereiche separiert, die in
verschiedenen Stockwerken ihren Ablauf nehmen. Der innere Zusammenhang zwischen Elfriede Jelinek, Olga Neuwirth und
Valie Export ist aber auch inhaltlich nicht leicht nachzuvollziehen. Von
Valie Export wird in ihrem Bereich neben verfremdeten Fotos (der
Protagonistinnen oder zumindest auf sie Bezug nehmend) ein Video mit
Stimmlippen beim Sprechen gezeigt. Im untersten Stockwerk hängen die in
diesem Video möglicherweise gesprochenen Texte von Elfriede Jelinek auf
beschrifteten Fahnen; zugleich finden sie sich dort zum ersten Mal ins
Englische übersetzt. Musik von Olga Neuwirth konnte zumindest beim Durchgang am
Eröffnungsabend nicht gehört werden. Immerhin gab es Filme zu sehen, zu
denen Neuwirth die Musik geschrieben hat. Großes, buntes Publikum zur Eröffnung Zu allen Künstlerinnen gibt es
eine Video-Collage von Carmen Kordas, die sie aus Film- und Video-Material
über Person und Arbeit der drei zusammengestellt hat. Das Interesse für die Installation war groß, das Publikum - wie immer
in New York - bunt durchgemischt und durchaus nicht nur österreichisch,
jung und interkulturell. Die Ausstellungsinstallation ist bis 3. November
2005 zu sehen. Die Ausstellung wurde mit Mitteln von Land Salzburg (u. a. aus der
Abteilung für kulturelle Sonderprojekte), Stadt Salzburg,
Altstadtmarketing, Kulturforums bzw. Bundeskanzleramt sowie der
Internationalen Sommerakademie für Bildenden Kunst ermöglicht. Sie ist ein
Teil des Projekts "Sound of Mozart", das auf Initiative der Salzburg
Business School entwickelt worden ist. Wie berichtet, werden zu anderen Projekten von "Sound of Mozart" (wenn
die Ausstellung im Kulturforum bereits beendet ist) Ende November eine
Wirtschaftsdelegation und Wilfried Haslauer (ÖVP), Stellvertreter der
Landeshauptfrau und in der Landesregierung u. a. zuständig für
Wirtschaftspolitik, nach New York reisen, um am Rande von
Kulturveranstaltungen Kontakte zu knüpfen und um Salzburger Projekte
zeitgenössischer Kunst im Mozartjahr zu präsentieren. Kuratorin Barbara Wally teilte allerdings den SN mit, die Ausstellung
im Kulturforum in New York sei weder ein Projekt der Salzburger Wirtschaft
noch von dieser bezahlt. Weder die Ausstellung noch das Engagement der
drei Künstlerinnen seien in irgendeinem Zusammenhang mit einer Werbetour
für Salzburg zu verstehen, beteuerte Barbara Wally. Information:
www.acfny.org |