Friedrichshafen (chv) Elisabeth Wagner, die Künstlerin der
Ausstellung, die der Kunstverein Friedrichshafen im Zeppelin Museum
und in den eigenen Räumen zeigt, freut sich, wenn man sich vor ihren
Werken diese Fragen stellt.
Der Wesenskern
Betritt man den Wechselausstellungsraum im Museum, drehen sie
einem erst einmal den Rücken zu. Neunzehn "falsche Freunde",
Gipsbüsten auf Pappsockeln. Das Licht schmeichelt den Figuren, die
nun unsere Neugierde geweckt haben und zur näheren Betrachtung
reizen. Aha, die kenne ich doch? Die Kunstprofessorin, Jahrgang
1954, die in Hamburg lebt, hat Persönlichkeiten von bekannten
Gemälden, ob von Dürer oder Goya, in Skulpturen verwandelt: Philipp
IV., Maria Luisa, Lucretia, Arnolfini. Man hat sie schon oft gesehen
und kennt sie doch wieder nicht. Dank der Bilder sind sie uns bis in
unsere schnelllebige Gegenwart hinein präsent, auf eigentümliche
Weise vertraut und doch fremd. Still sind sie, fragil und in sich
gekehrt, eingesponnen in ihre Welt, Individuen, die trotz der
scheinbaren Bekanntheit ihr Geheimnis bewahrt haben.
Herausgelöst aus ihrem Kontext sind sie reduziert auf ihren
Wesenskern und fordern zu Entdeckungen heraus.
Unter der Haube
Drüben im Kunstverein wartet die Serie "Obhut" - elf aus Pappe
gefaltete Hauben auf hohen Sockeln, ausladende Hauben, wie sie einst
Klosterschwestern getragen haben, die man sich sogleich hinzudenkt.
Wieder ist da auch das Spiel mit dem Material: Wie leicht fließt die
sonst so sperrige Pappe. Oben aber hat Elisabeth Wagner noch einmal
mit dem Raum gespielt, denn hier wartet - alle Viere von sich
streckend - ein riesiger brauner Bär auf die Besucher. Die Schnauze
streckt er einem entgegen, aufmerksam guckt er einen aus braunen
Augen an, unter dem Zottelfell bildet sich das Rückgrat ab - das
Material wird hier nicht verraten, schauen Sie selbst nach!