Wer sind die erfolgreichen Künstler aus Österreich? Welchen Ruf hat unsere Kunstszene im Ausland? Fragen, über die man nicht mehr elitär die Nase rümpft, bekommt man sie so oft gestellt wie ich. Von Leuten, die zwar schon Schiele genießen können, aber von einer Installation Isa Genzkens in der Secession völlig verschreckt werden.
Das Beste an diesen Fragen ist, dass ich immer so tolle Antworten geben kann – vom Brachial-Namedropping bis zur freudigen Bestätigung einer exzellenten Fremdwahrnehmung Wiens als Standort für aktuelle Kunst von den Galeristen bis zu Secession und Generali Foundation.
Weniger nett sind die meist völlig verständnislosen Mienen mir gegenüber. Nicht jeder weilt schließlich gerade zufällig in Los Angeles, wenn der dort lebende Wiener Matthias Poledna im Hammer-Museum eine Ausstellung hat. Geschweige denn, man erkennt seinen Namen.
Für diese lokale
Wahrnehmungsschwäche gibt es mehrere Gründe – vor allem liegt sie in
der seit Jahrzehnten ungebrochenen politischen Ignoranz gegenüber
Gegenwartskunst, was nicht zuletzt die finanzielle und programmatische
Schwächung der Museen sowie deren zunehmende Auslieferung an
privatwirtschaftliche Interessen zur Folge hatte und hat.
Natürlich
wirkt es immer äußerst edel, auf nationale Präsentationen zu pfeifen
und für Internationalität zu plädieren. Doch zeitgenössische Kunst
gehört in Österreich besser verankert. Und das ist am einfachsten zu
erreichen, indem man zeigt, was in nächster Nähe entsteht – wie es die
Whitney Biennale in den USA und der Turner Preis bzw. die Tate
Triennial in England tun.
Fernab von dumpfem Biertisch-Patriotismus. In regelmäßigen Abständen. Mit einem mehr als anständigen staatlichen Sonderbudget ausgestattet. Und nicht nur, wie zuletzt die schon etwas schläfrige zweite Ausgabe von „Lebt und arbeitet in Wien“, alle fünf Jahre in einem Stock der Kunsthalle.
almuth.spiegler@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2007)
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