Salzburger Nachrichten am 18. Dezember 2002 - Bereich: kultur
Malen auf Leinwand und Bildschirm

Malerei kann vieles ausdrücken: Zwei Positionen, gesehen auf der Kunst-Biennale von Buenos Aires

Der Einfluss ist offenbar wechselseitig: von medialen Methoden zur Malerei und umgekehrt von den traditionellen Techniken und Intentionen der Malerei hin zu neuesten Technologien, dem Bild im Internet oder als Computerdruck.

Ob mit dem Pinsel gemalt oder mit einschlägiger Computersoftware: Malerei zielt wieder auf unmittelbares Erlebnis durch den Betrachter. Auch das "Politische" in der Kunst eröffnet sich als feinsinnige Anspielung, die unmittelbar sichtbar wird, nicht mehr als Zitat von Texten, nicht mehr als erklä-rungsbedürftiges Konzept oder Rechercheprojekt im Stile des Journalismus.

SN SPEZIAL

STREITTHEMA MALEREI

Judith Barath, eine Ungarin in den USA, malt mit Corel Draw und setzt ihre Bilder ins Netz oder druckt sie aus. Den umgekehrten Weg geht sie nach eigenen Angaben nicht, sie "übermalt" also nicht Fotos, sondern betreibt "reine" Malerei am Computer. Sehr häufig sind es weibliche Porträts, die mit verschiedenen Botschaften aufgeladen sind. Auf ihrer Website (www.judithbarathart.com) präsentiert die Künstlerin eine Reihe solcher Porträts, deren Augen alle der Maus folgen, wenn man nach einer sensitiven Stelle sucht. Damit gewinnt sie die tollsten Web Awards.

Der spanische Künstler JARR (Joan-Antoni Rodriguez Roca) geht den umgekehrten Weg. Er ist offenbar nicht ganz einverstanden damit, was Medien und Mode aus den Menschen machen. Seine Tafelbilder beziehen sich auf Weltpolitik, die Haltung von Religionen, auf Diktate, Moden und Akzeptanzen. Die "Berieselung" durch amerikanische Erfolgsrezepte thematisiert er ebenso wie das Machtstreben der katholischen Kirche. In "La Mistica de la Musica" behandelt er die "Musik der Kriege", Verführungen, Zerstörungen von Kulturgut, das gegenseitige Unverständnis und die allseitige Akzeptanz von Gewalt in unterschiedlichem Gewand.

Mit seinen "Definitionen" von Jesus, von Batman, von Adam und Eva, von den Welten diesseits und jenseits des Äquators übt er scharfe Kritik, die aber durch die Schönheit der Bilder auf eine gewogene Aufnahme zielt. Symbolhaft könnte man sagen: Der Künstler schlägt den Krieger mit den gleichen Waffen.

JANA WISNIEWSKI