KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel hat drohende Budgetprobleme als Grund für die Umstrukturierung gegenüber der APA dementiert. "Es gibt keine Budgetprobleme", so Seipel. Darüber hinaus wollte er keine Auskunft geben und auch "nicht Aussagen von uns nicht mehr verlängerter Mitarbeiter" kommentieren. Das Museum erstelle gerade den Jahresabschluss.
Obwohl ein solcher ziemlich dringend notwendig ist: Nach-wie-vor-Generaldirektor Wilfried Seipel musste kürzlich die Marketingabteilung mehr oder weniger auflösen, weil ein beträchtliches Budgetdefizit droht. Brigitte Groihofer hatte vor einem Jahr begonnen, die Abteilung aufzubauen. Sie ist nun, trotz erster, viel versprechender Erfolge, ihren Job los. Und ob die neue Corporate Identity, die für einen frischen Wind (und für mehr Besucher) sorgen soll, wirklich dieser Tage umgesetzt wird, bezweifelt man im Haus.
Gehrer ist aber nicht nur wegen der wirtschaftlichen Direktoren säumig: Geklärt werden muss die Frage, wer künftig die Österreichische Galerie und das Museum Moderner Kunst leiten soll. Denn die Verträge von Gerbert Frodl wie Edelbert Köb laufen Ende nächsten Jahres, also bereits in 14 Monaten, aus.
Die Chancen von Mumok-Chef Köb auf eine Wiederbestellung haben sich im Sommer stark verbessert: Die Offensive trägt Früchte, die Besucherzahlen sind erheblich gestiegen (auch dank einer Gratiseintrittsaktion), und Köb hat spektakuläre Pläne im Köcher. Er muss aber endlich Gewissheit haben: Mit seiner Planung ist Köb längst im Jahr 2007 angelangt. Eine Entscheidung sollte in der Kuratoriumssitzung Anfang November fallen.
Frodl hingegen wird sicher in Pension gehen: Anfang Juli teilte der Direktor der Österreichischen Galerie dies der Ministerin mit. Ihm war angekündigt worden, dass der Posten spätestens im Frühherbst ausgeschrieben werde. Und bereits seit Anfang August liegt der Entwurf für den Ausschreibungstext vor.
Doch das Ministerium wartet mit der Veröffentlichung weiter zu. Warum? Weil es, wie man munkelt, einen Wunschkandidaten gibt, der noch Zeit braucht.
Als denkbare Expertinnen für die Frodl-Nachfolge nannte das Internetportal artmaga zine.cc - als Alternative zu Agnes Husslein, die scheidende Direktorin des Museums der Moderne Salzburg - unter anderem Ingried Brugger (BA-CA-Kunstforum) und Christa Steinle (Neue Galerie Graz). Gerüchteweise steht im Ministerium aber erneut ein Mann hoch im Kurs: Carl Aigner, der Direktor des Landesmuseums St. Pölten.
In seiner früheren Funktion als Leiter der Kunsthalle Krems hatte Aigner als erster nach der "Wende" Kunststaatssekretär Franz Morak zu einer Eröffnung eingeladen. Und in der Sendung "Treffpunkt Kultur" verteidigte er die Alles-wunderbar-Ergebnisse der Bundesmuseenevaluierung. Aigner, der sich zuletzt für das Lentos beworben hatte, beteuert aber, kein Interesse an einem Posten in Wien zu haben ... (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.10.2005)