So sieht das jedenfalls der Künstler Herwig Steiner. Denn das von ihm an der Fassade installierte Kunstwerk ist nicht gelb: Sobald es dunkel wird, wird das sechs mal elf Meter große "Fassadengroßleuchtbild" diesem Begriff gerecht - und leuchtet. Grün. Kräftig. Deshalb muss das "Sophokles, Ödipus, Naso meet Münchhausen" genannte Werk weg. Heute, Mittwoch, sollte es in der Früh entfernt werden. "Ein Skandal", schnaubt Steiner - einer, der aus dem Büro des Verteidigungsministers komme. "Das hat man mir so vermittelt."
Noch im September sei alles bestens gewesen: Der zuständige Beamte
begutachtete und "war begeistert. Wir waren sogar noch Schnitzel essen". Doch am
nächsten Tag war die vor der Fassade schwebende Leuchtfläche "untragbar", weil
"anders als im Entwurf". Steiner: "Vieles wurde mündlich besprochen - und ich
habe den Fehler gemacht, nicht alles aufzuschreiben." Der für den Wohnbau
zuständige Ministerialrat des Verteidigungsministeriums, Walter Sottolarz, weist
diesen Vorwurf wie die gemutmaßten ministerlichen Interventionen zurück: "Es gab
viele Entwürfe, aber Steiner hat etwas völlig anderes gemacht, als ausgemacht
war. In einer Galerie kaufe ich ja auch das Werk, das mir gefällt." Steiners
Aufregung versteht er nicht. Schließlich werde das ungeliebte grüne Werk
ersetzt. Durch einen anderen echten Herwig Steiner.
(DER STANDARD,
Print-Ausgabe, 28. 11. 2001)
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