VN Di, 19.11.2002

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Kultur 

Künstlerischer Eigensinn hoch drei

Michel Verjux, Jesus Palomino und Barthélémy Toguo im Künstlerhaus Bregenz

Bregenz (VN-ag) Künstlerischer Eigensinn von puristisch bis prall, von anklagend bis verwundert: waren Keller und Obergeschoss des Künstlerhauses jemals so weit voneinander entfernt? In der aktuellen Schau von Michel Verjux, Jesus Palomino und Barthélémy Toguo liegen in der Unterschiedlichkeit des künstlerischen Ansatzes ganze Welten dazwischen, und nicht nur Treppen.

In den lyrischen Titel "Die Bewegung des Wassers im Flussbett" kleidet sich die Lichtinstallation von Michel Verjux (geboren 1956, lebt in Paris) im Keller. In Vorarlberg durch seine Lichtarbeit am Hohenemser Feuerwehrhaus bekannt, bezieht sich Verjux einmal mehr auf die vorgefundene Raumsituation, positioniert starke Scheinwerfer am Boden und schafft aus einer puristischen Instrumentierung ein sinnliches Raumerlebnis. In den grellen, auf die Eingänge gerichteten Lichtkegeln wird nicht nur der Raum neu erfahren und völlig schnörkellos interpretiert.

Das Licht wird jenseits der Immaterialität in seiner ganzen Ambivalenz auch als physische Qualität wahrgenommen. Die Veränderung und das Bleibende, das Fließende und der Fluss sind die beiden Pole, zwischen denen sich Verjux' Werk in den Dimensionen von Zeit, Raum und Bewegung aufbaut.

Weltweite Schräglage

Vor Ort ist auch die Installation "Idon't want to go higher, Iwant to go to the other side" von Jesus Palomino entstanden.

In Sevilla beheimatet, derzeit im Rahmen eines Stipendiums in Amsterdam tätig, wagt Palomino einen Blick auf die andere Seite, an den Rand der Gesellschaft. Ethische Aspekte implizierend kreist sein Werk nicht selbstreferentiell um Farben oder Formen. Die westliche Konsumgesellschaft und ihre ökonomische Sicherheit im Rücken, demonstriert er die "weltweite Schräglage". Seine Staffage aus zwei aufeinander geschichteten Sperrholz-Autos, auf Getränkekisten aufgebockt und notdürftig mit einem Dach aus Plastiktüten und Planen versehen, stellt unvermittelt die Frage nach den Menschen, die im Schutze einer solchen Konstruktion irgendwo leben.

"Apocalyptic Dance"

Einen ganzen großartigen Kosmos, ein Gesamtwerk, das berührt und gefangen nimmt, bereitet der aus Kamerun stammende, in Paris und Düsseldorf lebende Barthélémy Toguo im ersten Stock aus. "Apocalyptic Dance" nennt sich der medial-thematische Mix aus Video, Malerei (die Aquarelle gehören mit zum Schönsten, was man in diese Richtung seit langem gesehen hat) und Installation, aus Politik und Emotion.

Absolut ohne Berührungsängste, chamäleonartig, nimmt sich der Künstler den Dingen des ganz normalen Lebens an, der Liebe und den Leiden. Schon im nächsten Moment bearbeitet er auch politische Themen, wie die Folter in der Türkei oder die westliche Einwanderungspolitik. Nicht jammernd und anklagend, vielmehr verwundert hält er fest, dass Verpackungen problemloser reisen als Menschen, wenn er die gesamte Bodenfläche mit buntem Verpackungsmaterial auslegt. Frisch und unverkrampft bringt er Musik von Bach und einen afrikanischen Chor zusammen und lässt unsere Gedanken tanzen.  

Arbeiten von Barthélémy Toguo und Jesus Palomino.

(Fotos: A.Grabher)




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