| Eine Nacht und ein Tag, die Ausstellung | |
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Eine Zeitlinie verfolgt die sich überstürzenden Ereignisse des Novemberpogroms. |
Ein zurückgenommener grauer Raum wird von
einer einzigen Bruchlinie durchschnitten. Das Auge ist gezwungen sich zu
sammeln. Im langsamen Entlanggehen tastet man das rundumlaufende Band ab.
Ein Bruch zieht sich durch das glatte Ambiente. Das Ausstellungskonzept
von Kuratorin Felicitas Heimann-Jelinek wurde von Ausstellungsgestalter
Martin Kohlbauer einprägsam umgesetzt.
In die Linie ist das Stakkato der Ereignisse eingeschrieben, ein wenig
unter Augenhöhe. So muss man beim Nachlesen des Protokolls vom 9. und 10.
November 1938 in Wien den Kopf neigen. Persönliche Schicksale wechseln mit
den von Goebbels und anderen Nazigrößen ausgegebenen Befehlen zur
Zerstörung, den Anweisungen zu Inhaftierung und Überführung in die
Konzentrationslager. Kollektive Verschiebung In dieser Installation geht es um die Verortung individueller
Einzelschicksale in diesen vierundzwanzig Stunden. Und es wird deutlich,
dass es nicht "Reichskristallnacht" heißen sollte, sondern vielmehr
"Reichskristalltag". Um 5.00 in der Früh begannen die Aktionen, am späten
Nachmittag gingen sie zu Ende. In der Verschiebung von Tag zu Nacht in der kollektiven Erinnerung
zeigt sich das Nichtgesehenhabenwollen. Der Mantel der Dunkelheit wurde
über die Ereignisse gebreitet. Was blieb von der Zerstörung
Das Ausmaß der Vernichtung österreichisch-jüdischen Kulturguts lässt
sich am Zustand der geretteten Reste ermessen. Verbrannte, geschwärzte,
zerbeulte, kaputte Gegenstände, sie sind durch zwei Sehschlitze in
schwarzausgekleideten Vitrinen zu sehen, eingebettet in die Zeitlinie. Aus
Schutt und Asche wurden diese rituellen Gegenstände aus den Bethäusern
geborgen. Es handelt sich bei diesem Bestand um eine Dauerleihgabe der
Kultusgemeinde an das Jüdische Museum. Normalerweise sind diese
Gegenstände im Schaudepot ausgestellt. Ihr Zustand spricht eine beredte
Sprache. Das, was noch da ist, die Reste, die gerettet werden konnten,
erzählen vom Ausmaß der Zerstörung. "Aktionen größten Stils mit vollkommen
"freier Hand für Jedermann gegen Juden" hatte Goebbels angeordnet. Gewaltige Aggression
In den geschändeten Kultgegenständen wird die gewaltige Aggression der
Pogrome sichtbar. Einfach und zurückhaltend, mit sparsam gesetzten
Akzenten vermittelt die Ausstellung einen Zugang zu den Ereignissen des
Novemberpogroms und liefert so einen wesentlichen Beitrag zum Bewusstsein
der Geschichte in unserer Gegenwart. Tipp: "Eine Nacht und ein Tag" Link: Jüdisches Museum
Wien | ||||||||